dicken Stangen gezogen. Die Blätter werden, wie erwähnt, mit Betelnuß und Kalk, denen oft auch noch etwas Tabak hinzugefügt wird, gekaut.
Zur Bereitung von Arzneien ist bei den Eingeborenen unseres Gebietes eine ganze Reihe meist wild wachsender Pflanzen im Gebrauch. Es würde über den Rahmen der vorliegenden Arbeit weit hinausgehen, wollte ich dieselben hier aufzählen und ihre Anwendung erörtern.
Genußmittel.
Von den soeben schon mit Bezug auf ihren Anbau erwähnten Genußmitteln ist der Tabak bei den Küstennegern nicht sehr stark im Gebrauch. Zigaretten, die man beim Inder kauft (4 Stück für 1 Pesa) werden von Männern und Weibern geraucht; Zigarren und Pfeife sieht man nicht. Verbreiteter ist die widerliche Sitte des Betelkauens, wozu die erwähnten vier Ingredienzien gehören: Tambuu, das Blatt des Betelpfeffers, Popo, die Frucht der Arekapalme, Kalk (Chokaa) und Tumbako (Tabak), die zusammen gekaut werden, wodurch der Speichel rot und die Zähne schließlich schwarz werden.
Allgemein gebräuchlich ist der Genuß des Palmweins (Tembo), dessen Gewinnung bei Besprechung der Kulturpflanzen schon geschildert wurde. Die Bereitung von Hirsebier (Pombe) ist mehr ein nur von bestimmten Leuten ausgeübtes Gewerbe. Hirsekörner läßt man keimen, dörrt sie darauf allenfalls in der heißen Sonne, zerstampft sie im Mörser, versetzt die Masse mitWasser und stellt sie sogleich oder nach vorhergehendem Erhitzen zur Gärung beiseite. Nach einigenTagen wird das Ganze ohne Abtrennung des Bodensatzes genossen. Nach einer Analyse enthält das Negerbier der Stämme Deutsch-Ostafrikas 2,4% Alkohol, i,4°/o Zucker (Dextrose), 0,5° 0 Säure. Im Bodensatz finden sich allerlei Bakterien und Hefen, darunter der spezifische Sacharomyces Pombe. 1
Spiel, Musik, Gesang und Tanz.
Als Kinderspielzeug sieht man von Indern hergestellte Puppen aus Holz mit Perlen und den charakteristischen Swahiliohrklötzchen. Diese Puppen werden Msanäm genannt, was übrigens überhaupt eine Nachbildung des Menschen, z. B. auch ein Photographie bedeutet. Bälle aus dem Gummi (Kautsehuk)-Saft der Landolphia-Liane dienten den Swahilikindern als Spielzeug und blieben in Form und Namen (Mpira) maßgebend für das Handelsprodukt.
Die erwachsenen Küstenleute sind ziemlich spielwütig. Kartenspiel ist allgemein beliebt. Man spielt um kleine Geldsätze oder Gebrauchs-
1 Th. B.: Das Bier einst und jetzt. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F- Bd. X. 1911, S. 729.
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