Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1915)
Entstehung
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Ersterer kann schon im Mfunguo wa tano (September) geerntet werden. Nahe am Übergang zur kleinen Regenzeit, im Mfunguo wa sita, wird die Vignabohne gebaut. Im Mfunguo wa saba (November) wird die Mungo­bohne geerntet. Im Mfunguo wa nane erntet man die Vignabohne und be­reitet sich zur Aussaat des Sorghum vor, die kurz vor Beginn der kleinen Trockenzeit, im Mfunguo wa kenda (Januar) stattfindet. Gleichzeitig wird auch Reis gesät, ln den zwei folgenden Monaten (Rajab und Mlisho) ist wenig Arbeit. Im Fastenmonate, Ramadan (April), wird der Reis geerntet.

Je nach dem Einsetzen der Regen verschiebt sich dieses Schema in ver­schiedenen Jahren und ist natürlich auch für die südlichen Küstenstriche nicht mehr maßgebend. Am unabhängigsten von den Jahreszeiten ist Anbau und Ernte der Nahrungspflanzen auf den der Küste vorgelagerten Inseln, zumal Mafia und Pemba, da hier die Regenperioden weniger scharf umgrenzt sind und auch in den Trockenzeiten reichlichere Regen fallen. Der Neger kann die Bodenbewirtschaftung hier mehr seinen unmittelbaren Bedürfnissen anpassen. Ungünstige Trockenjahre machen sich dann aller­dings um so unangenehmer fühlbar und rufen leicht eine Hungersnot hervor.

Kulturpflanzen.

Folgend seien nun die wichtigsten Kulturpflanzen der Negerbevölkerung unseres Gebietes einzeln aufgeführt und jeder derselben einige Notizen über Anbau, Ernte und Benutzung beigegeben.

a) Knollengewächse. Unter diesen ist es vor allem der Maniok (Manihot utilissima), der Mhogo der Eingeborenen, welcher in großen Massen angebaut wird. Diese aus Amerika stammende Pflanze ist ein bis 3 m hoher, wenig verzweigter Strauch, mit langgestielten handförmig 5- bis 5-lappigen Blättern. Die unregelmäßig-spindelförmigen, fast fußlangen, stärkemehlreichen Wurzelknollen werden geschält, einmal der Länge nach gespalten und in der Sonne getrocknet; darauf werden sie einige Tage unter Bananenblättern mit etwas Wasser behandelt, im Mörser zer­stampft, und das Mehl wiederum 4 5 Tage in der Sonne getrocknet. Bei Bedarf wird aus dem Mehle durch Kochen ein direkter Brei (Ugali) her- gestellt, welcher ein Hauptnahrungsmittel darstellt.

Der Maniok wird durch Stecklinge vermehrt. Die langen ausgewachsenen Stengel der alten Pflanzen werden mit der Hacke in fußlange Stücke zer­teilt und diese in etwa 1 m Abstand in den vorher gelockerten Boden gesteckt. Die wenigen verdorrenden Stecklinge werden nach kurzer Zeit durch neue ersetzt. Das Pflanzen geschieht gewöhnlich zu Beginn der Re­genzeiten, also im März und September, kann aber, wenn genügend Regen vorhanden, auch zu jeder anderen Jahreszeit vorgenommen werden. Nach

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