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Bd. 1 (1915)
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Fischerei.

Im allgemeinen spielt die Jagd keine große Rolle bei den Küstenleuten. Viel wichtiger ist für sie die Fischerei, die sowohl in den Flüssen und kleinen Seen wie vor allem auf dem Meere mit großem Eifer betrieben wird. Über die Küsten- und Seefischerei in Deutsch-Ostafrika ist un­längst von O. Peiper 1 eine übersichtliche Arbeit veröffentlicht worden. Nach der Art der Ausübung der Seefischerei durch die Eingebo­renen lassen sich fünf Methoden unterscheiden. Von diesen sind die Angelfischerei und das Fischen mit Netzen in volkswirtschaftlicher Beziehung die wichtigsten, denn die auf diese Weise erlangte Beute ent­hält die meisten und größten Tiere und damit das Material zur Herstellung der getrockneten Fische, einem Haupthandelsartikel. Die Produkte anderer Fangmethoden, das Fischen mit Reusen, mit Hürden sowie mit Tüchern, werden meist im frischen Zustande verbraucht bezw. auf den Markt gebracht und nur gelegentlich, bei besonders reichem Fange, zum Trocknen verwendet.

Die Fischerei mit der Angel wird vom Boote aus ausgeübt. Die Nga- lawa genannten kleinen, aus einem einzigen Baumstamme ausgehöhlten und mit Auslegern versehenen Boote (vergl. weiter unten und Fig. 51) führen zwei bis drei Mann Besatzung und werden mit einem einfachen Segel und sonst mit kleinen Paddeln fortbewegt. Die Angelschnur besteht aus Baumwolle und wird mit Harz getränkt. Die Haken sind europäischen Ursprungs. Meist werden mehrere Haken in bestimmtem Abstande durch kurze Seitenschnüre mit der Hauptschnur befestigt. Beim Fange in flacherem Küstengewässer wird häufig die Hauptschnur an ihrem unteren Ende mit einem Steine beschwert, der bis auf den Grund niedergelassen wird. Beim Fischen in tieferem Wasser, weiter ab von der Küste, werden ent­sprechend dickere Angelschnüre benutzt und meist ein Stück Messingdraht in das Befestigungsstück des Angelhakens mit der Schnur mit eingedreht oder letztere damit umwickelt als Schutz gegen das scharfe Gebiß der größeren Hochseefische.

Nur in ganz geschützten Gewässern oder bei ruhigem Wetter wird die Angelfischerei auch des Nachts ausgeübt, meist aber geht man früh­morgens auf den Fang aus und ist spät nachmittags wieder zurück. Als Fangplätze werden mit Seegras oder Algen bewachsene Stellen in flachem Wasser bevorzugt, da sich über kahlem Sandgrund meist keine Fische aufhalten, bei felsigem Grund aber die Angelgeräte leicht hängen

1 O. Peiper: Die Küsten- und Seefischerei in Deutsch-Ostafrika. Unter Benutzung amtlichen Materials dargestellt. Der Pflanzer, Zeitschr. für Land- und Forstwirtschaft in Deutsch-Ost- afrika, 1912, S. 278 fr.

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