Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1915)
Entstehung
Seite
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Schmuck, Bemalung usw.

An Schmuck werden von den Swahilimännern nur silberne Fingerringe (Pete) getragen, mit Stein oder ohne solchen. Die Weiber haben meist schmale Silberreifen mit einem aufgelöteten Viertel- oder Halb-Rupie- stück. Die Pete sind ein Abwehrmittel gegen böse Geister (Mali ja pepo), die nur in Mondscheinnächten kommen. Armbänder tragen die Frauen nur am Unterarm: Uschanga ist eine am Handgelenk getragene Perlen­schnur von geringem Werte; bessere bestehen aus Korallen. Denselben Namen haben auch Glasperlen- oder Korallenschnüre für den Hals. Solche Perlenbänder europäischer Herkunft sind weitverbreitet und billig (wenige Pesa bis */2 Rupie). Kostbarer sind Armbänder aus großen Silberperlen (Timbi), die bei den Swahili viel zu sehen sind; Vikuku ist eine silberne Kette als Armband, Mkufu eine silberne Halskette.

Die silbernen Schmucksachen werden meist von indischen Fundi (Hand­werker, Meister) hergestellt. Klobig und höchst unschön sind sehr große, dicke, zwar hohle, Silberreifen (Mtäli), die um die Fußknöchel getragen werden. Diese nicht übermäßig verbreitete und sehr kostspielige Sitte (Paar ca. 40 Rupie) dürfte von den Araberinnen entlehnt sein. Erwähnens­wert ist noch das Tragen von zwei Perlenschnüren unter der Kleidung um den Leib der Weiber, die eine tief um die Hüften, die andere, fest ge­schnürt, oberhalb des Nabels. Letztere wird so eng genommen, damit der Bauch nicht zu stark vortritt, was als unschön gilt.

Der Silberschmuck steht den Frauen auf der glänzendbraunen Haut nicht schlecht. Ein aus getrockneten, an Schnüren aufgereihten Gewürz­nelken bestehender Halsschmuck, der hie und da im Gebrauch ist, verleiht der Trägerin einen süßen Duft.

Im rechten Nasenflügel wird öfters ein Viertelrupiestück (Kipini) be­festigt. Diese Sitte ist nicht durchgehend verbreitet und scheint durch jungarabischen (und indischen) Einfluß entstanden zu sein. Kipini heißt ebenfalls eine Münze, die unter der Nase hängt (Durchbohrung der Nasenscheidewand), aber höchstens bei arabischen Sklavinnen zu beob­achten ist.

Außerordentlich großen Wert legt die Swahilifrau auf die »Verschöne­rung« ihres Ohres. Allgemein verbreitet sind daher die Mtundo ya masikia; das sind Papierröllchen, die zu 3 bis 5 in jedem Ohrrande getragen werden. Den Kindern werden von der Rinde entblößte Dornen (Miba) einge­stochen und vier Tage sitzen gelassen. Darnach werden die Wunden mit heißem Wasser gereinigt und kleine, vorher ebenfalls mit heißem Wasser gereinigte Pflöckchen in die Löcher gezwängt. Diese werden nach drei Tagen durch dickere ersetzt und nach fünf Tagen erst kleinere, später

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