maraba und Wamavia als die südlichsten Volksstämme sind mit den vom Südwesten, vom Südende des Nyassa hergekommenen Wajao und den von Süden, aus Portugiesisch - Ostafrika eingedrungenen Wamakua, jenen vorhin genannten landfremden »älteren« Bantuvölkern, kolonien- oder strichweise durchsetzt.
All diese küstennahen Volksstämme aus der Gruppe der »älteren« oder U r b a n t u sind im unmittelbaren Bereich der Küste in größerem oder geringerem Maße durch nichtafrikanische Kultureinflüsse in ihrem materiellen Besitz, in Religion, Sprache u. a. verändert worden. Diese Beeinflussungen reichen an verschiedenen Stellen verschieden weit in das Innere hinein, am weitesten im mittleren Teil, im Gebiete der Wasaramo. Während den sämtlichen Urbantu ursprünglich die Rundhütte mit Kegeldach als Wohnhaus dient, haben die Küstenleute, ganz gleich, ob sie am nördlichen, südlichen oder mittleren Teil der Küste wohnen, eine rechteckige Hütte (Fig. 27 — 29) mit Giebeldach. Ebenso haben nur die Küstenleute als charakteristische, wichtige Kulturpflanze die Kokospalme, ferner verschiedene andere Fruchtbäume asiatischer Herkunft, die der Binnenländer nicht kennt, usw.
Auch in Kleidung, Lebensweise, Sitten und Religion tragen alle Küstenleute ein ziemlich einheitliches Gepräge, und man faßt sie daher fast allgemein als eine besondere Bevölkerungsgruppe, den verschiedenen Stämmen des Binnenlandes gegenüber, auf, die von den Eingeborenen (wenigstens im Norden), als »Watu wa mrima«, was einfach Leute der Küste, Küstenleute, heißt, bezeichnet werden.
Swahili.
Von den Europäern werden allerdings die dunkelfarbigen Eingeborenen des Küstengebietes gewöhnlich einfach Swahili (Wasuahili) genannt. Es ist dies auch insofern berechtigt, als die Sprache der Swahili, das Ki- swahili, durchweg als Verkehrs- und Handelssprache dient und die ganze Küstenbevölkerung mehr oder weniger stark »swahilisiert« ist.
Genau genommen dürfen wir aber keineswegs alle schwarzen Küstenbewohner Swahili nennen. Swahili bezeichnet zunächst eine bestimmte Stammeszugehörigkeit, dessen Verständnis eine kleine historische Betrachtung erheischt. Die Angehörigen des Stammes selbst nennen sich am liebsten nicht Swahili (arabisch = Küstenbewohner), sondern Schi- razi, indem sie ihre Abkunft von Schiraz (in Persien) herleiten. Dort soll 1 einst ein Abkömmling des Schwiegersohnes des Propheten gelebt haben, der, um 739 n. Chr. zum Kalifen ausgerufen, jedoch bald von der
1 Vergl. Guillan, Documents 1 . 160.
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