Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1915)
Entstehung
Seite
142
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rechnen. Da aber die den inneren Rand dieser Formation bildenden Ge­wächse nicht mehr regelmäßig von der Flut überdeckt werden, so wollen wir dieMangrowe besser den nun folgenden Strandformationen beizählen.

111. Strandformationen.

Die Mangrowe.

A llgemeiner Charakter der Mangrowe-Formation Ostafrikas.

Diese an allen tropischen Küsten verbreitete Pflanzen-Formation tritt überall da auf, wo in Flußmündungen und Buchten oder hinter vorgelagerten Inseln die Wucht der Brandung geschwächt ist, und breitet sich hier zwischen Flut- und Ebbelinie aus. Wie die Vertreter kaum einer anderen Pflanzengenossenschaft sind die Mangrowepflanzen durch hochgradige Anpassungserscheinungen charakterisiert, die es ihnen ermöglichen, sich im Kampfe ums Dasein gegen die mannigfachen schädlichen Faktoren ihres Standortes in der Brandungszone erfolgreich zu behaupten. 1

Bei Hochwasser gleichen die Mangrowengehölze einem überschwemm­ten Waldgebiete (siehe Taf. 29 oben). Bis zu den Kronen und tiefer sind die Bäume und Sträucher unter Wasser gesetzt. Schon die verschiedene Färbung des fleischigen oder lederigen Laubes läßt uns in diesem Zustande die verschiedenen Arten unterscheiden, aber erst die Zeit der Ebbe, wenn der weiche schlammige Boden von der Flutwelle entblößt ist, ge­währt uns einen vollen Einblick in die eigentümliche Organisation der Mangrowepflanzen. Eine nähere Betrachtung der einzelnen Vertreter der Mangrowe Ostafrikas wird uns am besten mit diesen Anpassungserschei­nungen bekannt machen.

Die charakteristischste, am weitesten vordringende Art, die daher in der Regel die Mangrowe nach der See zu abgrenzt, ist Rhizophora mucronata (Taf. 8), von den Eingeborenen Mkoko, auch Mkanda ge­nannt. Hach ersterem Namen heißt die ganze Formation Mkokoni. Die Pflanze ist ein meist nur 512 Meter hoher, unter günstigen Verhältnissen, wie in den großen Mangrowebeständen des Rufijideltas, bis 20 Meter Höhe erreichender Baum, mit einer wenig dichten Krone lanzettlicher, lederiger Blätter.

Die Lebensverhältnisse der Mangrowe fordern Einrichtungen, wodurch ihre Bewohner befähigt werden, sich gegen die mechanische Wirkung der Brandungswelle zu schützen und sich in dem ewig bewegten, schlam-

1 Schimper, A. F- W. : Die indomalayische Strandflora, Jena 1891.

Derselbe: Pflanzengeographie auf physiologischer Grundlage. Jena 1898.

Karsten: Über die Mangrowen-Vegetation im malayischen Archipel. Bibi. bot. Heft ii, 1891.