Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1915)
Entstehung
Seite
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ENTWICKLUNG DER PFLANZENWELT.

Die in diesen Listen zum Ausdruck gelangende geographische Verbrei­tung einiger wichtiger ostafrikanischer Pflanzengattungen 1 läßt uns unter Berücksichtigung auch ihrer Verwandtschafts verhältnisse Schlüsse ziehen auf die Entwicklung der Pflanzenwelt des Gebietes. Die pantropischen Gattun­gen können in verschiedenen Erdteilen entstanden sein. Sie konnten, wie Engler hervorhebt, nach der von verschiedenen Geologen angenommenen Konfiguration der Erdteile in der älteren Kreidezeit, teils aus dem Angara­kontinent (tropisches Asien), teils aus Brasilien und der Südatlantis einge­wandert sein, können zum Teil aber auch in Afrika selbst und der mit ihm verbundenen indomadagassischen Halbinsel aus älteren Formen sich ent­wickelt haben. Für die palaeotropischen Gattungen kann auf gleiche Weise ein Austausch oder eine Einwanderung von Osten stattgefunden haben, wobei angenommen werden muß, daß viele dieser Gattungen erst nach Afrika gelangt oder überhaupt erst entstanden sind, nachdem die Ver­bindung mit dem tropischen Amerika in der Südatlantis nicht mehr existierte (z. B. Pandanus). Wann diese Landbrücke verschwunden ist, können wir nicht sicher angeben; wir müssen nur aus der Verbreitung verschiedener Formen der älteren Uferfauna mit Bestimmtheit schließen, daß bis in die Kreidezeit hinein eine Küste beide Erdteile verbunden hat. Besonders bemerkenswert ist in dieser Beziehung die Muschelgattung Trigonia, von der mehrere der sehr variablen Arten (z. B. Tr. Schwartzii) aus den Grenzschichten von Jura zur Kreide sowohl in Amerika wie in Süd- und Ostafrika in denselben Formen angetroffen werden . 2

Auch über die Unterbrechung der Verbindung Afrikas durch Madagaskar mit Vorderindien können wir inbezug auf die geologische Zeit nichts Be­stimmtes aussagen. Doch macht die heutige Verbreitung verschiedener Tier- und Pflanzengruppen es wahrscheinlich, daß hier die Landbrücke noch länger als die Verbindung mit Südamerika erhalten geblieben ist bezw. (zwischen Ostafrika und Madagaskar) in später (jungtertiärer) Zeit erst neu gebildet wurde und so dem afrikanisch-asiatischen Element noch lange Gelegenheit zur Ausführung von Wanderungen geboten hat. Die zu den Palmen gehörende Unterfamilie der Borassoideen, mit den Gattungen Borassus, Hyphaene, Medemia, Lodoicea, kommt nur in diesem Gebiete vor und muß sich nach Abbruch der südamerikanischen

1 Man vergleiche dazu auch die Einzelangaben im speziellen Teile.

2 Vgl. Burckhardt: Beiträge zur Jura- und Kreideformation der Kordilleren. Paläonto- graphica Bd. 50, 1905/4. Vergl. ferner E. Stromer: Die Geschichte des afrikanischen Fest­landes nach neueren Forschungen, Naturw. Wochenschrift 1910, S. 161 163, und E. Hennig: Zur Paläogeographie des afrikanischen Mesozoikums, Branca-Festschrift 1914, S. 76 123.

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