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Es ist nicht zu verkennen, daß eine so einzurichtende Produktion, besonders in den ersten Jahren, bei den Heiden einem gewissen Mißtrauen gegen die Neuerungen, die er zuerst nach dem Ausbeutungssystem des Fulbe beurteilen wird, begegnen und kaum anders als durch mehrjährige Gewöhnung überwunden werden wird. Das Mißtrauen wird aber verschwinden, sobald der Eingeborene eine gute Einnahme sieht. Ich habe eigentlich überall von den Schwarzen die Mitteilung erhalten, daß die jetzigen Preise sehr einträglich seien, und eine Kulturausdehnung nicht ungern vorgenommen würde, sofern dieser Verdienst gesichert wird.“
6. Erkundung von Tikar.
Schon 1911 sollten auch die landwirtschaftlichen Verhältnisse der zum Jokobezirk gehörigen Landschaft Tikar, östlich von Bamum, in den Bereich der Erkundungen hineinbezogen werden. Die hierzu nötigen Reisen mußten jedoch aus Mangel an Zeit und Personal bis Anfang 1913 verschoben werden.
Der Bericht des landwirtschaftlichen Sachverständigen Dr. Simo- neit, welcher mit der Erkundung beauftragt wurde, sei — soweit er sich auf die Baumwollkultur bezieht — im Auszug hier wiedergegeben.
„Der Zeitpunkt der Reise, das Ende der Trockenzeit, war sehr ungünstig. Auf den Eingeborenenfeldern standen keine Früchte mehr, und dieFelder waren schon so vergrast, daß kein abschließendes Urteil über den landwirtschaftlichen Betrieb der Eingeborenen erworben werden konnte. Ich betone ausdrücklich, daß dazu eine Bereisung des Gebietes während einer ganzen Vegetationsperiode notwendig ist; durch den kurzen Aufenthalt in einem Gebiet während nur einer Jahreszeit, kann man sich, namentlich, wenn es sich um das Ende der Trockenzeit handelt, nicht ein vollständiges und fehlerloses Urteil bilden, jedenfalls nicht bezüglich landwirtschaftlicher Verhältnisse. Daß man sich auf das, was der Eingeborene sagt, fast niemals verlassen darf, hat sich auf meiner Reise oft gezeigt. Hätte ich mich ohne Nachprüfung auf Aussagen der Eingeborenen verlassen, würde ich in vielen Fällen zu falschen Ergebnissen gekommen sein. Während der hohen Trockenzeit ist aber nicht nur auf den Feldern nichts zu sehen; auch die wilde Flora, die z. B. Schlüsse auf die Qualität des Bodens zuläßt; ist durch die Brände zerstört. Folgerungen aus ihr sind daher unmöglich gewesen.
Meine Hauptaufgabe habe ich darin gesehen, zu versuchen festzustellen, welche Produkte ausgedehnter als bisher angebaut werden können, sobald die Möglichkeit eines Abtransportes besteht. In erster Linie fanden dabei Baumwolle und Ölpalme Beachtung.