Druckschrift 
Der Baumwollbau in den deutschen Schutzgebieten : seine Entwicklung seit dem Jahre 1910 / hrsg. vom Reichskolonialamt
Entstehung
Seite
180
Einzelbild herunterladen
 

Soweit es die Versuchstätigkeit irgend gestattet, soll der ganze Betrieb der Station nach betriebswissenschaftlichen Grundsätzen ge­führt werden. Eine sorgfältige landwirtschaftliche Buchführung wird es ermöglichen, Zahlen für die Rentabilität europäischer Farmunter­nehmungen zu gewinnen.

Der Versuchsstation Pittoa wird, ebenso wie derjenigen in Kuti, auch die Aufgabe zufallen, das Gouvernement über landwirtschaftliche Fragen im Graslande zu orientieren und den lokalen Verwaltungsbehörden als beratende Dienststelle bei der landwirtschaftlichen Entwicklung der Bezirke zu dienen.

5. Vorschläge für die Weiterentwicklung des Baumwoll­baues in Mittel- und Nord-Adamaua.

Hierüber äußert sich der Leiter der Versuchsstation Pittoa, Dr. Wolff in einem, unter dem 14. Februar 1913 erstatteten Berichte, der auch die Grundlagen der Produktion noch einmal eingehend be­handelt, wie folgt: 1 )

Für die Bearbeitung der Baumwollfrage in Nord- und Mittel- Adamaua ist es ein erfreuliches Moment, fast überall diese Kultur bei den Eingeborenen vertreten zu finden. Soweit, wie ich diese Gebiete bis jetzt bereist habe, gibt es nur wenige Orte, in denen der Anbau dieser Pflanze gar nicht geübt wird. Man findet zum wenigsten ein Paar Pflanzen, welche zur Zwirngewinnung kultiviert werden. Fehlt aber die Kultur überhaupt, so sind es weniger die Einflüsse der Bodenver­hältnisse denn baumwollfähigen Boden und Klima finden wir überall in größerer oder geringerer Ausdehnung sondern entweder Unlust zum Anbau, oder das Vorwiegen irgendeiner anderen Kultur, oder von außen kommende Einflüsse, wie diebische Nachbarstämme, oder, man sollte es nicht glauben, auch schließlich die fehlende Zuneigung der Weiber, die ihren Männern kein Rohmaterial für die Weberei liefern wollen usw. Jedenfalls spielen diese Momente keine einflußreiche Rolle, und man kann mit gutem Gewissen sagen, der Baumwollbau ist eine Volkskultur im richtigen Sinne des Wortes.

Auf eine statistische Übersicht der verschiedenen Ausdehnung in den einzelnen Gebieten will ich hier noch nicht eingehen, da mir für

x ) Vgl. hierzu auch die Ausführungen Dr. Wolffs am Schluß seines Berichts über Nord-Nigerien (Anhang zu diesem Kapitel) (RKA).