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Der Baumwollbau in den deutschen Schutzgebieten : seine Entwicklung seit dem Jahre 1910 / hrsg. vom Reichskolonialamt
Entstehung
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2. Klima 1 ).

Wie bekannt ist das Klima von Deutsch-Ostafrika nicht einheitlich. Generell lassen sich in dieser Beziehung Gebiete mit je zwei Regen- und Trockenperioden und solche mit je einer geschlossenen Regen- und Trockenzeit unterscheiden.

Zu den ersteren gehören der Norden mit Ausnahme des äußersten Nordwestens und das Küstenland im weiteren Sinne bis etwa zum Rufidji, einschließlich der Bezirke Bagamojo, Daressalam und der nördlichen Hälften von Morogoro und Rufidji. Zu den Gebieten mit einer geschlossenen Regenzeit gehört die Mitte und der ganze Süden. Als Begrenzung der Regenzonen kann die LinieMohoroKissakiKondoa- IrangiTaboraUsumbura angenommen werden.

Wie schon in der I. Denkschrift (S. 122) gesagt wurde, sind Gebiete mit zwei Regenzeiten für den Baumwollbau im allgemeinen weniger ge­eignet, da auch bei vorsichtigster Wahl der Aussaattermine vorzeitiges Einsetzen der Regen zu empfindlichen Störungen führen kann. Jedoch sind auch Gebiete dieser Art vorhanden, die dem Baumwollbau an­scheinend günstige Bedingungen gewähren. Das gilt in erster Linie für den Bezirk Muansa, wo in den letzten Jahren überraschend gute Er­folge erzielt wurden (s. u.). Das Wesentliche in diesem Bezirke bleibt, durch richtige Wahl der Sorten die Entwicklung in die große Regenzeit und die Ernte in die Haupttrockenzeit zu bringen und dadurch zu ver­hindern, daß die Ernte durch die Niederschläge der kleinen Regenzeit beeinträchtigt wird. Daß es gewagt sein würde, die Hauptentwicklung der Baumwolle in die kleine Regenzeit fallen zu lassen, bedarf kaum be­sonderer Erwähnung, da ihre Gesamtniederschläge viel zu geringfügig sind, ja diese Periode sogar manchmal ganz ausfällt. Jedenfalls käme die kleine Regenzeit nur dann als Saatzeit in Betracht, wenn die Mög­lichkeit der Bewässerung besteht.

Als ganz ungeeignet hat sich neuerdings der im äußersten Nord­westen liegende Bukobabezirk erwiesen, da die Regenpausen allzu kurz sind. Es wird deshalb dort vermutlich bei den orientierenden Vorver­suchen sein Bewenden haben.

Südlich der genannten Linie, ungefähr in zwei Dritteilen der Kolonie, herrscht wie gesagt nur eine Regenzeit, und zwar hauptsächlich in den Monaten Dezember bis April. Für den Baumwollbau sind letztere Ge­biete daher am geeignetsten; in ihnen ist es am leichtesten, die richtigen Aussaatzeiten festzustellen, und weniger Gefahr vorhanden, daß die Ernten durch Niederschläge überrascht und beeinträchtigt werden.

x ) Vgl. H. Meyer, Das deutsche Kolonialreich, Bd. I, Leipzig 1909.