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nähme richtig ist, so waren es doch dieselben Einwanderer, die weiter im Norden als Shirazi, wie wir sehen werden, eine Menge neuer Kulturelemente eingeführt haben. Und ihre Stammesgenossen werden auch in der Gegend von Simbabwe dasselbe getan haben. Aber es scheint nichts davon nachgeblieben zu sein, nachdem die höher kultivierten Einwanderer verschwunden sind. Es sollen sich dort aber, wie mir J. Strandes erzählte, nach Angaben von Henrik Müller noch die altertümlichen Holzschlösser mit Holzschlüsseln bei den Negern in Gebrauch finden, die auch in Zanzibar in alten Häusern noch heute vorhanden sind und die selbst in Tunis Vorkommen. Es ist dies jedenfalls eine arabische Einführung. Wenn man vielleicht auch einige Schuld dem Umstande zuschreiben kann, daß zuluartige Völker später die Gegend überschwemmt haben, so ist es doch merkwürdig, daß weder die Gewöhnung an Steinbauten noch etwas Baumkultur übrig blieben. Trotzdem die Einwanderer offenbar in großer Zahl gekommen sind, trotzdem sie eine große Macht ausgeübt haben: nach ihrem Verschwinden ging auch ihre Kultur unter, der Neger hat nichts davon aufgenommen. Höchstens wird von dieser Gegend aus der Hanf seinen Einzug in Afrika gehalten haben, und vielleicht sind auch einige Bohnensorten auf die Perser-Araber zurückzuführen.
5. Die Shirazi-Kultur Ostafrikas.
An der ganzen Küste von Ostafrika sind die Reste alter Bauten verteilt, von dem Somaliland nördlich Mugdischu bis in das portugiesische Gebiet südlich von Angosch hinein, die von den Eingeborenen noch heute allgemein den Shirazi, d. h. Leuten von Shiraz in Persien, zugeschrieben werden. In manchen Orten bezeichnen die Neger die Erbauer dieser Ruinen auch als Wadeburi, Wadebri. Möglich ist, daß dies Wort von dem Jemen-arabischen dabur, dabir für »Westen« kommt, daß es also die Westleute waren (vgl. auch Glaser, Arabien, S. 196), vielleicht waren es die von den Persern oder Maskatern so genannten Leute aus dem südwestlichen Arabien, die für erstere westlich wohnten. Außer den größeren Orten, die von den mittelalterlichen arabischen Schriftstellern erwähnt wurden, wie Mugdischu (megaad-el-chäta = Ort der Schafe), Barawa, Melindi, Patta, Mombassa, Kilwa, Sofala sind noch eine große Anzahl kleiner und kleinster Siedelungen vorhanden, deren Reste man jetzt den Shirazi zuschreibt. Die mittelalterlichen arabischen Schriftsteller, wie Edrisi (gest. 1164), Yakuti (1179 bis 1229), Abulfeda (1273—1331), Ibn Sayd, Ibn Batuta (1302—1377), Abul Mahassen (137^), El-Bakus (1403) erwähnen meistens die größeren dieser Orte wie Mugdischu, Barawa, Malinde, Lamu, Mombassa, Kilwa und Sofala; auch die Komoren und Madagaskar*) sind in diesen Jahrhunderten von denselben Mohammedanern besiedelt worden. Von Jakuti-El-Bakui wird zuerst auch der eingeborene Name der Insel Zanzibar-Unguya als Lendjuja, von anderen Pemba als el
*) Das Wort Madagaskar ist eine durch Marco Polo veranlaßte Verwechselung und Namensverdrehung aus Mugdischu.