Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
Entstehung
Seite
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l'egenärmer als die nördliche ist, daß die größten Regenmengen an den Küsten­seiten der großen Gebirge liegen, ebenso im Norden des Niassäsees, daß aber die nordwestlichen Teile der Gebirge, wie z. B. Westusambara zum Teil schon im Regenschatten hegen.

III. Übersicht über die Geschichte der materiellen Kultur in Ostafrika.

1. Die vorhistorische Urzeit.

Man hört vielfach die Meinung, daß der afrikanische Kontinent als große, ungegliederte Masse sehr wenig geologische Veränderungen durchmachte, und daß es aus seiner kompakten Form zu erklären sei, wenn seine Bewohner sich gegen außen so refraktär verhielten. Daß letzteres nicht der Fall war, haben wir im Verlaufe unserer Betrachtungen häufig gesehen, vielmehr scheint alles wesentliche an Kulturelementen von auswärts eingeführt zu sein. Aber, auch wenn wir von den älteren geologischen Schwankungen absehen, so lassen sich sogar in verhältnismäßig junger geologischer Zeit ziemliche Veränderungen in Ostafrika nachweisen. So z. B. vermutete Micha eisen aus der Verbreitung der ostafrikanischen Regenwürmer, die in ihren zahlreichen Formen für die Geschichte der Erde gewissermaßen als Leitorganismen angesehen werden können, »daß das jetzige Küstengebiet Deutsch-Ostafrikas in nicht sehr weit zurückliegender Zeit durch eine für Regenwürmer unüberwindliche Verbreitungsschranke (Meer oder Wüste) etwa in der Linie der großen Seen vom Inneren des Kontinents und von seinem Süden getrennt war, und daß es etwa in Gestalt einer Halbinsel mit den nördlichen Gegenden von Afrika zusammenhing. Vielleicht hat ein großer, etwa von der Straße von Mosambik oder vom Zambezi ausgehender Meeresarm in der Senke der großen Seen tief in das Land eingeschnitten, etwa ähnlich, wie dies heute das rote Meer zwischen Arabien und Afrika tut.«*) Und wahrscheinlich werden die Bruchspalten (die großen Seen, das rote Meer usw.) alle von ungefähr gleichem Alter sein, d. h. sie entstanden nach Süß zu einer Zeit, die jünger als die heutige Süßwasserfauna des Nils aber älter als gewisse große Klimaschwankungen war. Bei unseren heutigen Kenntnissen läßt sich aber das Datum dieser Periode auch nicht annähernd bestimmen.

Viele Geographen sind sich heute mit Süß, Hans Meyer, Pass arge und anderen darüber einig, daß in Afrika einst eine Periode existierte, in der die Nieder­schläge sehr viel höher als heute waren. Die Spuren von Gletschern an den großen Bergen gehen weit unter ihre jetzige Ausdehnung hinunter teils tausend Meter, die Kalahari war mit Süßwasserseen überdeckt, ebenso wie die Sahara Wasser­läufe usw. enthielt, die Seen in dem heutigen »abflußlosen« Gebiet waren einst

*) Geologisch sind hierfür allerdings wohl kaum Beweise zu finden, denn Meeressedi­mente fehlen in den betreffenden Gegenden. Sollten nicht auch große Sümpfe oder Binnenseen eine solche Trennung der Faunengebiete veranlaßt haben?