Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
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Schildpatt wird es seit langem gegeben haben, nicht aber geschlossene Siedelungen. Für den Beginn von diesen möchte ich die zweite Hälfte des 7. Jahrhunderts vermuten. Und zwar scheint die Siedelung, nachdem die Hamiten Südarabiens schon großenteils verschwunden waren, besonders von den Küsten des Perser­golfes ausgegangen zu sein, da Persien ja auch in Südarabien seit 600 die Hegemonie hatte und da nach der Eroberung von Persien durch den Islam dort eine Menge politische und religiöse Flüchtlinge das Land verlassen haben werden. Und bald kam auch die neue politische Hegemonie der Landschaften des Perser­golfes erhöht zur Geltung, nachdem mit der Gründung von Bagdad und Basra durch die Chalifen Macht und Handel sich dort etabliert hatten.

Wir sahen oben, daß im Altertum und Mittelalter Tausende von persischen Bergleuten die Goldminen an den Ostabhängen von Yemen ausbeuteten, daß Gold in Mengen von Ommana und Apologos verschifft wurde, daß Ham- dani, dessen Werk (Ibn-el-Hayik Hamdani's Gezirat al Arab), die Be­schreibung von Arabien, 908 kopiert ist (Sprenger, S. 2), diese Minen noch im Betrieb kannte (Glaser, S. 350). Wir müssen außerdem uns immer ins Gedächtnis zurückrufen, daß die große Völkerwelle, die das östliche und vielleicht ganze Afrika seit der Urzeit überschwemmte, vom persischen Golf ausging, wo Elam ein uralter Staat an den Küsten war, der erst etwa 2300 v. Chr. begann, sich in Babylonien festzusetzen (Glaser, S. 374). Arabien hat bei diesen großen Völkerströmen, deren Ursachen wir nur ahnen, deren tatsächlichen Vorgang wir aber sicher annehmen können, immer nur als Zwischenstation gedient. Und auch im Mittelalter kamen die Menschen wieder von den Landschaften des Perser­golfes nach Ostafrika, zuerst die Leute, die in der Überlieferung unserer Ostafrikaner noch heute als Schirasi bezeichnet werden, dann noch später die Maskatleute.

Viele von diesen Kolonisten, die meiner Ansicht nach seit dem Ende des 7. Jahrhunderts sich in Ostafrika festsetzten, werden die Goldbergwerke in Arabien selbst gekannt haben, und wie alle derartige Bergwerke werden auch diese sich bei einer intensiven Ausbeutung von Jahrhunderten erschöpft haben. Ls ist zu natürlich, daß einer oder der andere der Kolonisten in seinem neuen Heimats­lande nach dem ihm von früher bekannten Gold suchte, es werden auch unter­nehmende Leute dabei gewesen sein, die sich ein wenig in das Innere des Landes wagten. Und wahrscheinlich auf diese Weise wird man das Gold im heutigen Rhodesia gefunden haben. Die Kunde von den Funden aber wird sich sehr rasch verbreitet haben, und eine Art von Goldfieber wird entstanden sein, das auch die erwähnten Auswanderer von Schiras angesteckt hatte.

4. Die Zimbabwe-Kultur.

So weit ich orientiert bin, ist bis heute noch kein scharfer Beweis dafür erbracht, daß die großen Bauten in Rhodesia, die von den Portugiesen besucht, von de Bar ros, de Goes, Du arte Barbosa beschrieben, und von Karl Mauch 1871 wieder entdeckt wurden, in das höchste Altertum hinaufreichen. Die

Stuhlmann, Beiträge zur Kulturgeschichte von Ostafrika. 54