Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
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liehe Völker ihnen dahin vorangegangen. Früher sind etwa 200 v. Chr. die Abessinier aus Hadramaut in das heutige Abessinien eingewandert, seßhafte Ackerbau-Leute, die vielfach auch wohl hamitische Physis hatten, aber semitische Kultur, Schrift und Sprache, den Pflug und den Getreidebau brachten. Sie müssen also in überwältigender Menge im neuen Heimatsland aufgetreten sein, denn sonst hätten sie den dort vorher vorhandenen Hackbau nicht überwunden. Es ist aber .auch möglich, daß der abessinische Ackerbau schon vorher von Ägypten dort eingeführt war. Die Somali aber sind Hirten, die eine Hackbau treibende Bevölkerung unterwarfen, die heute noch unter ihnen lebt.

Sehr wenige Kulturbeeinflussungen sind offenbar in unser Gebiet von Ägypten ausgegangen, das sich fast völlig abschloß. Die den Ägyptern und südlichen Leuten gemeinsamen Elemente werden vom Süden aus nach Ägypten gekommen sein, oder aber beide Teile haben sie aus ihrer asiatischen Heimat mitgebracht. Das lyraartige Musikinstrument, das Langhornrind, den Windspielhund und den Esel rechne ich hierzu; die (ägyptische) Katze ist erst spät auf dem Umwege über Arabien nach Ostafrika gekommen.

Eine geringe Beeinflussung von malayischen Völkern ist an unserer Küste ohne Zweifel zu bemerken: das Giebeldach-Haus mit der in Zapfen sich drehenden Tür der Swahili ist vielleicht dahin zu rechnen, (?) sicherer das Einbaumkanoe mit dem doppelseitigen Auslegern, galcuva genannt. Wahrscheinlich ist dies sogar ein malayischer Name, der allerdings für das Auslegerkanoe in Madagaskar nicht gebräuchlich zu sein scheint. Ich vermute zwar, daß das Giebeldach eine Reminiszenz aus der ältesten Kulturschicht ist, da wir es in Westafrika noch treffen, es kann aber für die Küste auch neuer Einführung sein. Das Kanoe wird wohl eine neue Erwerbung sein, gebracht durch die Leute von Madagaskar und von den Komoren, oder aber auch dies ist eine Reminiszenz der ältesten Einwohner.*) Noch 1820 machten Madagassen Einfälle in Ostafrika.

Daß die Kokospalme vielleicht in sehr alter Zeit durch Strömungen an das Land getrieben wurde und auch gelegentlich einmal anwuchs, erwähnte ich an der betreffenden Stelle, ebenso daß ihre ausgiebige Kultur erst wahrscheinlich später in Angriff genommen wurde.

2. Verkehrs- und Handelsbeziehungen des Altertums.

Wir haben im Obigen untersucht, aus welchen Elementen sich die Be-

*') Die Neger haben sonst überall im Innern und im Westen nur Einbäume ohne Aus­leger (mitmnbwi). Auf welche Einflüsse die genähten Ruderboote (nmto) auf dem Victoriasee zurückzuführen sind, weiß ich nicht; sollten sie von ägyptischen Modellen entlehnt oder den ge­nähten Booten der Küste nachgebildet sein? Aber warum führte man dann das Segel nicht mit ihnen ein? Sehr rohgenähte Boote gibt es auf dem Albert Edward-See. Höchst primitive Rindenkanoes beobachtete ich 1888 auf dem Wami-Fluß, etwas westlich von Mbuzini, sie waren aus einem Stück Myombo-Rinde zusammengebogen, an den Stirnseiten mit Bast zusammengezogen oder genäht und mit Ton gedichtet. Recht kompliziert gebaute Rindenboote hat v. L11- schan (.»Aus der Natur« 1907J in Mossambik gesammelt.