Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
Entstehung
Seite
740
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Zähmung und Domestikation ist ein großer Unterschied. Ich glaube, daß die Dome­stikationsversuche heutzutage nicht viel mehr als ein interessanter Sport sind. Viel wichtiger ist für die wirtschaftliche Erschließung von Afrika und anderen Ge­bieten, daß man moderne Verkehrsmittel anwendet, und daß man außerdem die vorhandenen Haustiere gut züchtet, und lernt, ihre Krankheiten auf rationelle Art zu bekämpfen. Derjenige, welcher ein sicheres und praktisch verwertbares Mittel gegen Tsetse und Küstenfieber bezw. Texasfieber erfindet, hat jedenfalls unendlich mehr Anspruch auf Dankbarkeit und Aussicht auf Erfolg, als der Zähmer von wilden Tieren. Deshalb lege ich auch auf alle Schongesetze nur von wissenschaftlich-zoologischem Standpunkt aus Gewicht, nicht vom praktischen, der uns bei der Bestreitung der Seuchen vielleicht sogar eher dazu führen muß, die wilden Tiere auszurotten dort, wo Landwirtschaft und Transport ge­deihen sollen.

Felis domestica L.

Die Hauskatze stammt, wie jetzt wohl allgemein angenommen wird, aus Ägypten, und zwar von der dort und in anderen Teilen Nordafrikas wilden Felis maniculata Rüpp. vielleicht mit einer Einmischung von Felis chaus Güld. Und es ist unzweifelhaft, daß sie auch in Ägypten gezähmt und domesti­ziert wurde. Dort hat man sie nach Brugsch schon in Gräbern der V. und VI. Dynastie auf Inschriften unter dem Namen miu, f., miut erwähnt. In sehr großen Mengen sind dann Katzen unter der XII. Dynastie gehalten worden, bei Bubastis fand man zahlreiche Mumien derselben, sie waren der Göttin Bast, die aus dem semitischen Osten stammte, heilig. Die Untersuchungen von Virchow und anderen aber haben ergeben, daß es sich hier anscheinend immer um gezähmte Wildkatzen von F. maniculata und nicht um domestizierte Hauskatzen handelte, die wohl erst allmählich durch Zucht entstanden sind. Eigentümlich ist, daß die Katze lange Zeit nicht über die Grenzen von Ägypten gelangte, die antiken Schriftsteller erwähnen sie nur aus dem Nillande, und erst in den ersten Jahr­hunderten unserer Zeitrechnungen wird sie den klassischen Völkern bekannt. Die ersten ganz sicheren Nachrichten über sie sollen sogar erst aus der Zeit des Papstes Gregor d. Gr. um 600 stammen (Hehn S. 467). Viele meinen, daß die Katzen im Gefolge der aus Ägypten stammenden Mönche ins Abendland kamen, andere, daß sie, als zur Zeit der Völkerwanderung die Hausratten aus dem Orient nach Europa gelangten, zum Schutze gegen diese aus Ägypten eingeführt oder doch mehr beachtet wurden. Und zwar scheint man sie in den lateinischen Ländern nach der Wildkatze cattus genannt zu haben, welches Wort wahr­scheinlich aus den keltisch-germanischen Sprachen stammte (O. Schräder bei V. Hehn S. 467).

Sehen wir uns erst außerhalb Afrikas um, so heißt die Katze im Hindustani hlli, im Telegu pilh, im Tamil ponc. im Persischen niaida, im neueren Sanskrit marjara, denn im alten Indien fehlte sie ebenso wie in der Bibel und im