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verbreitet. Die Blüte ist der Sitz Brahmas und Buddhas, die Indier nennen sie kamala, kanval, anibal, gevaka, padma, — »om lami padmi om« sagt der Tibetaner tausende von Malen, wenn er seine Gebetsmühlen dreht: »O Herr, der Du auf der Lotosblume sitzt« —. In Arabien, Persien, Turkestan heißen die Samen nilufar.
Bei den Swahili werden mit den Blüten der blauen Wasserrose in Verbindung mit allen möglichen Spezereien böse Geister und Krankheiten vertrieben (Krapf). Ku-punga pcpo , den bösen Geist zitieren und austreiben, nennt man das; ein Weihwedel — mguisho ■—• wird parfümiert und damit der Kranke angewedelt, um den Geist zu zitieren, das buruga genannte, mit Sand bestreute Brett wird als Orakel befragt, es wird geräuchert, getanzt und getrommelt bis der jinni- Geist antwortet. Man bietet dem Geist lebende Opfertiere, Nahrung und alle möglichen Wohlgerüche an, damit er fortgeht.
Alle Wohlgerüche gelten seit dem grauen Altertume eben nicht nur als Annehmlichkeiten sondern als krankheitswidrig und den Geistern angenehm.
Emin erzählte mir, daß am oberen Nil der Genuß der Wurzeln von einer Seerose als Impotenz verursachend gilt; in den meisten Gegenden werden aber die stärkehaltigen Rhizome gegessen. Hier in Ostafrika habe ich nicht gehört, daß man sie benutzt.
5. Plumiera alba L.
ist ein Strauch mit dickfleischigen, grünen, stark milchhaltenden Zweigen, an denen man die Narbenstellen der abgefallenen großen länglichen Blätter sieht. Die reichlich an den Zweigenden stehenden Blüten sind weiß, innen gelb und haben einen intensiven, angenehmen Duft. Der Strauch ist viel in Gärten in Zanzibar und an der Küste angepflanzt.
Die Franzosen nennen die Pflanze fra?ichipanicr, die Engländer tcmplc- trce, pagoda-tree, weil sie sehr viel bei den buddhistischen Tempeln angebaut ist, die Indier gida-chin (chinesische Blume), champa , chumpa usw. Es ist eigenartig, daß diese Pflanze in den Kultus der Buddhisten und Indier aufgenommen wurde, obgleich sie eine Einführung aus Amerika ist. Ich glaube, daß ihre Blüten gleichwertig gelten mit den Krischna geweihten gelben, stark duftenden Blüten der Michelia champ aca L. (champac, champa der Indier), die viel als Opfer in den Tempeln niedergelegt werden.
Als Seltenheit kommt in Zanzibar noch Pl. ros ca vor, vielleicht auch noch andere Arten. Wahrscheinlich sind die Plumieren von Reunion aus hier eingeführt worden, etwa Anfang des 19. Jahrhunderts.
6. Rosa gallica var. damascena Mill.
und P. chinensis Jacq. Nach den Angaben von Engler in der »Pflanzenwelt Ostafrikas« sind es diese beiden Rosen, die in Zanzibar kultiviert werden. Lange bevor die Europäer sich dort mit Blumenzucht beschäftigten, wurden sehr