4. Ceasalpitiia Bonducella Roxb.
ist ein dorniger Kletterstrauch, der von Südindien an, im malayischen Archipel und in dem größten Teil des tropischen Afrikas heimisch ist. In seinen Hülsen findet man ziemlich große, blaugraue, fast kugelrunde und steinharte Bohnen, die ethnographisch in vieler Hinsicht so interessant sind, daß wir sie hier erwähnen müssen. Die Samen werden gepulvert als ein angeblich gutes (?) Fiebermittel in Indien verwandt; sie enthalten einen brechenerregenden Bitterstoff, Bonducin. Man nennt sie manchmal »das Chinin des armen Mannes«.
Die Pflanze heißt hier mkomwc, bei den Wanika mburuga, mfurwe, in Unguru msoro. Die koinwc genannten Körner werden zu dem bao- Spiel benützt: In
einem Holzbrett (bao, ubao, mbao) sind 32 Löcher in vier Reihen angebracht, außerdem zwei größere Löcher als Vorratsstellen. In bestimmter Weise werden nun die komwc-Keme in diesen Löchern verteilt. Herr Baron v. St.-Paul hat dies Spiel mit seinen recht komplizierten Spielregeln genau studiert, die mir aber unbekannt geblieben sind. Das Spiel heißt bei den Waganda moese, und anscheinend ganz dasselbe Spiel bei den Malayen tjonka. Es findet sich in Ostafrika sicher bis zum Zambezi, und Felsblöcke, in welche die 32 Löcher eingegraben sind, hat man in Rhodesia gefunden. Man hielt sie dort sogar für antike Inschriften (v. Luschan, Zeitschr. f. Ethnolog. 1906, S. 897). In Ägypten, wo das Spiel mankaVah heißt, hat das Brett nur 12 Gruben. Solche »Bretter«, in Erz gegossen, sind auch aus Benin bekannt, das Spiel auch in den Bissagos- Inseln, Liberia und überall in Westafrika, sowie in Syrien.
Es wäre sehr interessant, zu untersuchen, wie weit genau dies Spiel verbreitet ist und woher es ursprünglich stammt. Mir kommt es manchmal so vor, als ob es eine arabisch-persische Einführung sei, die sich in sehr früher Zeit recht weit verbreitet hat. Die Leute nehmen aber auch Kiesel, andere Bohnen etc. dazu. Die Bonducella-Bohnen sind hier nur am meisten dafür gebräuchlich.
Die mburuga oder mfurwe Kerne werden vom Zauberer auch zu Orakeln benützt. Er greift die in einem Sack befindlichen Bohnen heraus und sieht ob »gerade oder ungerade«, oder ähnliches nach, um danach die Gefährlichkeit einer Krankheit (Krapf) oder anderes herauszubringen, ähnlich, wie die wagauga es sonst mit Zeichen tun, die sie auf ein mit Sand bestreutes Brett machen, oder mit arabischen Buchstaben- bezw. Zahlenorakeln.
Nach den Ausführungen von G. Oppert (Mitt. z. Gesch. d. Medizin u. Naturw. IV. 1905, S. 434) ist bandhuka eine Altsanskritbezeichnung für die Caesalpinia Bojiducella, bei Watt finde ich dies Wort nicht sondern nur kubera-kschi, putikaranya, latakaranja. Die Bohne ist nach Oppert früh als bonduk-hindi zu den Arabern gekommen. Man soll sie in alten Zeiten als Geschosse in Indien verwandt haben und soll dann später auch die aus den Geschützen (mahantakamana — Todesmaß) geschleuderten Bleikugeln bandhuka genannt haben, und nach diesen hat man die Feuerwaffe bandhuki, bundukic genannt.