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daß man auf mindestens 15000—16000 Arbeiter pro 1910 sicher rechnen muß. Die erwähnte Denkschrift nimmt für die 3 Nordbezirke im Jahre 1909 schon über 15000 Arbeiter an. Diese 15 000 Arbeiter könnten Kautschuk im Werte von etwa 3,6 Millionen Mark produzieren. Der Wert, den der Einzelarbeiter demnach pro Jahr durch die Arbeit auf den Kautschukpflanzungen schafft, beträgt etwa 246 Mark, von denen er etwa 133 Mark für 200 Arbeitstage an Zapflohn, oder bei ständiger Arbeit für 300 Tage ä 40 Heller = 160 Mark ausgezahlt erhält. Aus der Differenz müssen alle Generalunkosten, Zinsen, Gehälter usw. gezahlt werden, bevor ein Gewinn übrig bleibt. Aber die etwa 2 Millionen Mark Löhne die ins Land geworfen werden, erhöhen die Kaufkraft desselben, bringen den Leuten Bedürfnisse bei, ermöglichen ihnen, ihre Steuern zu zahlen, vermehren die Importe und damit Zolleinnahmen, so daß die Pflanzungen hiermit indirekt sehr bedeutend zu den allgemeinen Verwaltungskosten des Landes beitragen.
Es kommt hinzu, daß der Neger durch die Tätigkeit auf den Pflanzungen zu einer konstanten regelmäßigen Arbeit erzogen wird, und daß deshalb die Pflanzungen einen großen erzieherischen Einfluß auf die Leute ausüben, einen Einfluß, der ebenso hoch an Imponderabilien anzuschlagen ist wie die Erziehung des jungen Mannes in der Armee bei uns in der Heimat! Und durch die Arbeit auf den Pflanzuugen der Europäer werden dem Manne am schnellsten Bedürfnisse angewöhnt, die er in seine Heimat mit zurücknimmt. Dadurch tragen die Pflanzungen indirekt sehr viel zur Entwickelung der Ein- geborenen bei.
Wie erwähnt, stammen fast alle in Deutsch-Ostafrika gezogenen Manihot- Bäume von der Pflanzung Herrn v. Saint-Paul’s bei Tanga. Man meinte hier wie anderswo, Varietäten zu sehen, besonders eine mit aufrechtstehenden und eine mit hängenden Zweigen, auch mit verschiedenen Blattformen; aber in der Ergiebigkeit scheint kein Unterschied zu sein. Wohl aber gibt es einige — vielleicht besonders gut gepflegte oder an sehr guten Plätzen stehende — Bäume mit besonders großem Ertrag. So sollen einige Exemplare in Lewa 10—12 Pfund Kautschuk jährlich geben. Und von diesen sollte man der Sicherheit halber Saatgut nehmen, auch wenn einstweilen über die Erblichkeit dieser Eigenschaft nichts bekannt ist.
2. Vor kurzem sind neue Arten aus Brasilien gekommen, a. Jequic und b. eine Sorte aus dem Staate Piauhy. beide mit sehr viel größerem Samen als Manihot Glasiovii. Ihr Ertrag überhaupt und ihre Genügsamkeit auch mit trockenen und höheren Standorten wird gerühmt. Die Blättchen von der Jequie- Sorte zeigen bei jungen Pflanzen eine Einkerbung etwas oberhalb der Mitte (Pflanzer II., S. 167), was bei alten Pflanzen sich zu verlieren scheint. Dazu kommt noch eine dritte Art.
Diese drei Arten sind von Dr. Ule (Tropenpflanzer 1907) beschrieben als
1. Manihot dichotoma Ule. die Jequie-Sorte.
2. M. heptap hy lla Ule , die von Rio Saö Francisco.
3. M. piauhyensis Ule.