Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
Entstehung
Seite
625
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Kautschukliefernde Pflanzen.

Über den Kautschuk gibt es in Bezug auf seine kommerzielle und ökonomische Bedeutung sowie auf seine Kultur und Chemie eine solch große und vorzügliche Literatur, daß ich mich hier auf wenige, speziell auf Ostafrika bezügliche Be­merkungen beschränke, es den Interessenten überlassend, sich weitergehend in den großen Arbeiten von Clouth, Warburg, Reintgen (Tropenpflanzer 1905) und vielen anderen zu informieren. Sie bringen alles Wissenswerte, besonders auch Statistiken.

Da aber sowohl der im Walde von wilden Lianen gesammelte Kautschuk seit längerer Zeit, als auch neuerdings der auf Pflanzungen gezogene für unser Gebiet große wirtschaftliche Bedeutung besitzt, kann ich ihre Erwähnung hier nicht umgehen.

a. Allgemeines.

Der Kautschuk bildet ein außerordentlich wichtiges Rohprodukt, das die Industrie von Jahr zu Jahr mehr gebraucht und das kaum durch eine andere Substanz zu ersetzen ist, denn alle Versuche, einen Kunstkautschuk herzustellen, haben bisher nur höchstens dazu geführt, Beimengungen für die Fabrikation von Kautschukwaren zu liefern. Leider wird unser Stoff heute noch oft mit Gummi, Gummi elasticum usw. bezeichnet, welches Verfahren nur zu Verwirrungen führen kann, erst recht wenn man ihn und seine Produkte als Gutta percha bezeichnet. Denn der Name Kautschuk ist nur auf einen ganz bestimmten Körper von be­sonderen chemischen und physikalischen Eigenschaften anzuwenden. Es ist eine bei gewöhnlichen Temperaturen elastische Masse, die stets aus dem Milchsaft von einer großen Reihe von verschiedenen Pflanzen gewonnen wird, die gegen Wasser, Alkohol und Säuren widerstandfähig ist, sich aber in Benzin, Äther Schwefelkohlenstoff, Petroleumäther etc. fast ganz löst.*) Durch Zutat von wenig

*) Ungelöst in Benzin bleibt ein Teil kautschukartige Substanz, von Sc he 11 mann als »Unlösliches« bezeichnet, die wahrscheinlich zum Teil durch das Lagern des Kautschuks chemisch verändert ist. Um vergleichbare Resultate zu erzielen, muß man immer dasselbe Lösungsmittel benutzen. In Amani wird Benzin gebraucht.

Stuhlmann, Beiträge zur Kulturgeschichte von Ostafrika.

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