Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
Entstehung
Seite
640
Einzelbild herunterladen
 

640

Knde 1876 auch Material von Manihot Glusiovii nach Kew gebracht, das nach Singapore, Indien, Ceylon, Java, Fiji usw., und 1878 auch nach Zanzibai gesandt wurde. Und im Beginn der 7oiger Jahre hat man auch mit der Kultur von Ficus clastica begonnen.

Für uns in Ostafrika scheint einstweilen nur der Mam hot Glaziovii Müll.-Arg. für eine Kultur in größerem Maße in Frage zu kommen. Die Pflanze, 1876 von Müller-Argau botanisch beschrieben, wächst unter dem. Namen manissoha, manicoba in den Steinsteppen-Gebieten von Nordost-Brasilien, in der Provinz Cearä, besonders in der Serra grande und Serra da Uruburitama, sowie in den Serras von Maranguape und Pacatuba (\\ arburg), im Hinterland der Staaten Piauhy, Cearä und Rio grande del Norte sowie in Maranhao (Re int gen) mit der Hafenstadt Fortalezza. Das beste Produkt soll jetzt, wo durch Raubwirtschaft die Bestände an der Küste fast vernichtet sind, aus der Gegend von Acarape und Jubaia kommen, während der von der Alto Sertaö de Assare harzreich und weniger elastisch sein soll. Das Plauptverbreitungsgebiet ist der Sertaö genannte Steppenwald mit einer Regenzeit von November bis Juni, in der aber die Regen auch oft sehr spärlich sind. Sandstein, Kies oder ver­witterter Granit sind dort die Böden. Die mittlere Temperatur ist 2832 °, und die Bäume verlieren während der Trockenzeit das Laub. In seiner Heimat werden sie nur während der Trockenzeit angezapft. Sie wachsen dort aber auch in den höheren, regenreicheren Gebirgen, jedoch angeblich nur dort gut, wo sie sehr durchlässigen Boden haben.

Die Anspruchslosigkeit dieses Baumes an Boden und Klima, seine mühe­lose und rasche Vermehrung und sein schnelles Wachstum begeisterte zuerst die Pflanzer allerorts sehr, aber bald kamen von allen Gegenden recht betrübende Meldungen, überall lohnte der Baum nicht die Kosten des Anzapfens, so daß. z. B. 1890 in Ceylon die Kultur so gut wie eingeschlafen war.

Wie oben erwähnt, hatte Sir John Kirk, der um die Erforschung von Ostafrika so verdienstvolle britische Generalkonsul in Zanzibar, schon 1878 acht Bäume von Ceark-Manihot Glaziovii erhalten; aber 1883 berichtete er, daß 5jährige Bäume noch zu klein seien, um die Anzapfung bezahlt zu machen;, er schrieb (nach Warburg): »Ich bin ganz sicher, daß der Baum hier einem

Privatpflanzer von keinem Nutzen ist, einige Bäume geben einen wässerigen Saft fast ohne Kautschuk, und im besten Fall ist die Quantität sehr gering. Vielleicht mag das Produkt im Inlande, in weniger feuchtem Klima besser sein, aber ich verdamme den Baum als nutzlos für europäische Ansiedler und ein lästiges Un­kraut, wo einmal auf den Plantagen eingeführt.«

Auch die erst mit allen Hoffnungen begonnenen Versuche in Natal, Mau­ritius, den Seyshellen usw. schliefen in den Soiger Jahren allmählich ein.

In Deutsch-Ostafrika hat Baron W. von Saint-Paul-Illaire dicht bei Tanga an zwei Stellen 1891/2 mit dem Anbau dieser Pflanze begonnen, er hat, wie er mir persönlich mitteilte, die Saat dazu von William Broths. in Hene-