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wohl möglich, daß einige der zahllosen Landolphia-, Clitandra- und Car- p odinus- Arten der westafrikanischen Flora auch in unser Gebiet hineinreichen und Kautschuk liefern werden, und daß man auch aus noch unbekannten Pflanzen Kautschuk oder wenigstens Surrogate für denselben erzielen wird. Unser Ficus- Arten haben, soweit sie bisher untersucht sind, fast nur Harze ergeben, ebenso die verschiedenen milchenden Apocynaceen und Asclepiadeen. Auch hat man bisher in der Milch hiesiger Wolfsmilchgewächse kaum Spuren von Kautschuk gewonnen, während eine Art (E. rhipsaloides Lern.) in Angola das als almeidina bekannte Produkt liefert, das wenigstens als Zusatz zum Kautschuk dienen kann. (Es kommt zum Teil auch von Fockea multiflora K. Sch.) Die Euphorbia heißt in Angola casso?icira (Tropenpflanzer 1904, S. 202). Das Produkt heißt nach seinem ersten Exporteur Joao Du arte d’Almeida in Mossammedes Almeidina.
In früheren Zeiten wurde in unserem Gebiet ein recht minderwertiger, sogenannter »Wurzelkautschuk oder Kochkautschuk« hergestellt, indem die Eingeborenen, die an der Aufsuchung und Ausbeutung der oberirdischen Teile von Landolphia Kirkii usw. nicht genug hatten, die Wurzeln davon ausgruben, ihre Rinde durch Klopfen lockerten und im Mörser mit etwas Wasser zerstampften. In das Wasser ging die Milch über, gerann dort spontan oder durch kochen und gab einen infolge der Beimengung von vielen Rindenteilen recht schlechten Kautschuk —- mpira ya cliini ■— nipira ya kuponda — (von kuponda, zerstampfen), dessen Herstellung seit langer Zeit gesetzlich verboten ist — zur Schonung der Kautschukbestände —, und der jetzt aus unserm Gebiet nicht mehr in den Handel kommt.
Ein Stoff, der eine entfernte Ähnlichkeit mit Balata hat und unelastisch, grauweiß ist, wurde verschiedentlich probeweis von Daressalam ausgeführt. Er stammt wahrscheinlich von Landolphia florida — Comorcnsis (r). Der Stoff enthält nach Untersuchung von Dr. Ditmar (Tropenpflanzer 1906, S. 740) 59 % Harz (Alban-Fluarit), 2372% Balata gutta, I 47 3 °/o Balabanen. Er scheint in der Technik für Herstellung von Dichtungsringen und wo man plastische, wachsartige Massen herstellen will, verwendbar zu sein.
d. Auf Pflanzungen gewonnener Kautschuk.
Die Versuche, die Kautschuk liefernden Pflanzen aus ihren Heimatsländern in andere Gegenden überzuführen, um sie dort anzubauen, datieren alle aus der Mitte der 7<oiger Jahre des vorigen Jahrhunderts. So sind die Samen von Flcvca von H. A. Wickham 1876 nach den Kew-gardens. und von da im selben Jahre weiter nach Ceylon und vielen anderen Kolonien verbracht. 1875 wurden Samen und Pflanzen der zentralamerikanischen Castilloa clastica von R. Cross gesammelt; trotz der Havarie des Schiffes brachte er die Pflanzen nach Kew, von wo sie im nächsten Jahre verteilt wurden. Derselbe Herr hat