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Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
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schätze die Ausfuhr 190506 aber nur auf 1520000 Kilo Pflanzungskautschuk,, so daß bei weitem der größte Teil von den Eingeborenen gesammeltes Wald­produkt ist. Zur Beurteilung der Wichtigkeit und Entwicklung der Pflanzungen wäre es äußerst erwünscht, wenn der Plantagenkautschuk in der Statistik er­schiene, wie dies meines Wissens von 1908 beabsichtigt ist.

Aus Zanzibar wurden an Kautschuk ausgeführt:

1895

337402 lbs.

1899

313770 lbs.

1896

198250

1900

190311 ,>

1897

312489

1901

219703

1898

234522

1902

305 105

1904 für 659540 Rup.

1905 316916

Das Frasilah kostete 1905 3045 $, also bedeutend weniger als aus Deutsch- Ostafrika. Allmählich hat sich der Kautschukhandel aber von der Vermittelung von Zanzibar unabhängig gemacht.

c. Die Pflanzenarten des wilden Kautschuks.

Bei weitem der größte Teil des »wilden« Kautschuks stammt von Lianen der Gattung LandoIp hia und zwar in erster Linie der kleinblättrigen und ^ kleinblütigen L. Kirkii Dy., die im allgemeinen mpira genannt wird. Im Süden

soll die Pflanze matire, mtire heißen (v. Planchon S. 318), in Mombassa mtoria.. Man findet sonst noch die Namen mabibi und mivife im Tanga-Bezirk, nmjfi und lugolotto in West-Usambara (vergl. Tropenpflanzer 1900 S. 373, in einem ursprünglich von mir verfaßten Bericht). Nach Sacleux heißt sie auch noch mbungo (?) r kilungivana (Usegua) und mpyo (Mombassa), Namen, die mir unbekannt sind. Es beruht das aber wohl auf einer Verwechselung, denn mbungo ist allgemein die L. florida-Comorensis Boj., welche von den Landolp hien die am meisten verbreitete ist, deren Milchsaft aber hier keinen Kautschuk liefert.*) Das Koa- gulum enthält nur Spuren davon, im allgemeinen aber nur Harze und etwas balataartige Substanz. Es kann demnach höchstens einmal zur Verfälschung bezw. als Zusatz zum Kautschuk verwandt werden. Was L. Comorensis- florida von Westafrika als Kautschuklieferant benannt wurde, ist die nahe verwandte C. Dawei, die auch in Uganda ein gutes Produkt liefert (Bull. Imper. Inst. IV. 3. 1906.) Hier bei uns gibt die mbungo (L. florida-Comorensis),.

die Liane mit großen Blättern und großen Blüten, jedenfalls keinen Kautschuk. Ihr Saft ist nur als Vogelleim (ulimbo) verwendbar, ebenso wie der der bisher untersuchten hiesigen Ficus -Arten besonders der gewöhnlichen Ficus capcn-

*) Will man in der Praxis sehen, ob eine Pflanze guten Kautschuk liefert, so nehme man einige Tropfen des Milchsaftes zwischen Daumen und Zeigefinger, reibe etwas hin und her, und entferne dann beide Finger voneinander. Ein unbrauchbarer Saft wird dann klebrige Fäden ziehen, der brauchbare aber bald kleine elastische Klümpchen bilden.