Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
Entstehung
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Versuche in Amani zeigen, auch noch im Gebirge gedeiht. Die Neger nennen ihn mtondöo msambaras. Die Rinde sondert aus Verletzungen ein klebriges Harz ab, das als Takamak, Baisamum Mariae bekannt ist, bei uns aber noch nie gewonnen wurde. Aus dem Samen kann auch Öl gepreßt werden, das in Indien sarpan-ka-tel, punnai-tailam, pmna-cotai, von den Engländern laurel-nut-oic genannt wird und gegen Ausschlag und Rheuma dient. Der Baum heißt in Indien poon, peon, Sanskrit punnaga.

Da der Baum bei uns recht gut wächst und ein vorzügliches Holz sowie obige Nebenprodukte liefert, dürfte er sich in feuchteren Gegenden, auch im Gebirge zu Aufforstungen empfehlen.

4. Canarium Schweinfurthii Engl.,

ein riesiger Baum mit mächtiger Krone und großen, unpaargefiederten Blättern, der in Uganda, den Sesseinseln und in Buddu im Nordwesten des Victoria-Sees ziemlich häufig ist. Er heißt dort mpaffu, die grauen Papageien fressen seine Früchte. Derselbe Baum heißt bei Mukenge mupafa, in Angola bei Malandsche mubafu , bei den Niamniam mbilli, und es ist anzunehmen, daß er in einem großen Teil des Gebietes der westafrikanischen Urwaldflora vorkommt. Höchst auffallend ist die gleiche Benennung derselben bei den Bantuvölkern vom Victoria- See bis Angola. Es ist sicher ein einheimischer Baum und keine eingeführte Kulturpflanze. Deshalb ist diese gleiche Benennung recht schwer zu erklären. Sollte vielleicht das ausfließende Harz zu Kultushandlungen gebraucht sein von den Bantuvölkern, die in der Urzeit zuerst mit diesen Pflanzen in Berührung kamen und ähnliche Gebräuche in ihren Ursitzen kannten ?

Das Harz ist beim Ausfließen aus Wunden an Bäumen erst halbflüssig, glasig, durchsichtig und blaßgrün, beim Auftrocknen wird es weiß und undurch­sichtig, bleibt aber glasflußartig. Es hat einen aromatischen Geschmack und Geruch.

Die Leute, die ein wenig von arabischer Kultur beeinflußt waren, nannten es ubani, lubani (Weihrauch, Olibanum), in Uganda nennt man es nvumbu.

Mir wurde erzählt, daß man es mit Öl oder Fett zerrieben zum Einreiben des Körpers benützte. Ich glaube aber, daß es von den Arabern und Swahili dort auch zum Räuchern gebraucht wird. Auf dem Markt in Entebbe (Uganda) ist es oft erhältlich.

Das Harz ist mit dem »Elemi« genannten verwandt (vergl. bei Kopal), von denen die südasiatischen Sorten auch von Canarium stammen.

Da der Baum recht häufig ist, besonders in Buddu, wird man vom Victoria- See einige Mengen dieses Harzes ausführen können, wenn Interesse dafür vor­handen ist. Selbst im Orte Entebbe stehen Exemplare, z. B. auf der Hill road beim Postamt.

Elemi-Harz von den Philippinen ist 1905 78 Doppelzentner im Werte von 554 ° Mark nach Hamburg eingeführt.