Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
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Emporium Omauum (Hormuz f) vermutet, wohl an der sachalitischen Küste, im heutigen Oman.*) Damals war also Persien einmal wieder zurückgedrängt und die Himiaren im Vorteil.

Offenbar haben die Perser mit ihrer Herrschaft über Südarabien die Absicht verbunden gehabt, nicht nur das reiche Handelsland Südarabien, die Weihrauch­länder sowie die Goldgruben zu besitzen, sondern man wollte diesen Handel dem Mittelmeer und Alexandrien, sowie dem Karawanenverkehr durch Arabien entziehen, um ihn durch Persien zu leiten, was die Perser schon früher ver­schiedentlich versucht hatten.

In der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts aber traten durch die Oberherr­schaft des Mohammedanismus ganz andere Verhältnisse im Orient ein, die aber ebenfalls bald den Plandel nach Basra und Bagdad lenkten. Die Hauptstadt des Chalifats beherrschte auch den Handel. Allmählich werden wohl die indischen Waren wichtiger als der Weihrauch geworden sein; sie nahmen ihren Weg vom persischen Golf über Bagdad nach Damaskus später nach Accon, von wo die Handelsniederlassungen der italienischen Kaufleute sie weiter vertrieben. Mit dem Verfall des Chalifats von Bagdad ging der Handel wieder mehr über die Landenge von Suez und über Kairo. Zu Saladins Zeit gingen an indischem Transithandel für etwa 800000 Dinar (absoluter Goldwert 8 Millionen Mark) Spezereien über Kairo. (Becker, Grundlinien der wirtschaftl. Entw. Ägyptens in den ersten Jahrhunderten des Islam. Klio. 1908.)

Ich habe die Besprechung des Weihrauchhandels benutzt, um eine ganz kurze Übersicht über die Schicksale von Südarabien zu geben, und um zu zeigen, daß der dortige Zwischenhandel vielfach auf Weihrauch und anderen Spezereien basierte, daß er von ganz eminenter Bedeutung für den alten Welthandel war, und daß Südarabien, solange eben dieser Handel bestand, ein sehr reiches Land und ein begehrenswertes Objekt war. P'ür unsere Betrachtungen ist das sehr wichtig, denn die Kultur von Ostafrika stammt aus diesen Gegenden, besonders aus den Ländern am persichen Golf. Darauf kommen wir später zurück.

3. Calophyllum Inophyllum L.

ist ein von Oceanien bis Ostafrika weit verbreiteter Baum mit schönen glänzenden Blättern, der bei uns an der oberen Grenze der Mangroven wächst, aber wie

*) Im Jahre 1601 fanden die Portugiesen nach der Erzählung von Barreto de Rezende in Soheir, einem Orte dicht bei Maskat, in der Zitadelle eine große Menge römischer ver­grabener Münzen aus der Zeit des Tiberius (1437 n. Chr.), und zwar in solcher Menge, daß man an das frühere Vorhandensein einer römischen Kolonie dort denken könnte (G u i 11 ai n , 1 , S. 474). Sollte dies vielleicht das Emporium romanorum = omanorum gewesen sein? Denn Soheir liegt ja in Oman. Die Kolonie müßte dann vielleicht von Alexandrien aus etwas nach der Zeit des Aelius Gallus-Zuges gegründet sein und 11m die Zeit des Periplus dort bestanden haben.