Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
Entstehung
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XVIII. Gummi-liefernde Pflanzen.

Acacia Verek, Guill. e. Perr.

(Acacia Senegal Willd.) und andere Akazien-Arten, geben den amorphen Stoff welchen man als Gummi arabicum bezeichnet. Mit der Bezeichnung »Gummi« wird im allgemeinen und besonders in der Kaufmannswelt ein sehr großer Mißbrauch getrieben. Man nennt alle Harze, Kopal und sogar Kaut­schuk so. Da ist es nötig die Bezeichnung »Gummi« ganz genau zu definieren für solche Kohlenhydrate, die sich in Wasser auflösen und deren Lösung mit einer Lösung von Bleiacetat keine Trübung gibt, während Pflanzenschleim Trübungen gibt. Eine ganze Reihe von Pflanzenstoffen sind jedoch den rich­tigen Gummiarten sehr ähnlich, aber sie enthalten an Stelle oder neben dem Arabin noch die als Cerasin und Bassorin bekannten, nicht chemisch sondern nur physikalisch definierten Stoffe, die im Wasser nur quellen und sich nicht lösen. Es entstehen dann keine Gummischleimlösungen sondern nur mehr oder weniger feste Gallerten. Diese Stoffe sollen hier ebenfalls mit erwähnt werden, und zwar besonders deshalb, weil in Ostafrika bisher die guten Gummiarten nur recht selten gefunden sind und die meisten bisher hier beobachteten Aus­scheidungen von Akazien und allen möglichen anderen Bäumen in Wasser nur quellen.

Uber die Entstehung von Gummi und verwandten Stoffen sind die Meinungen noch recht getrennt. Einige meinen, daß es sich um Umwandlung von Zell­inhalten, andere von Zellwänden, andere von beiden handelt. Und einige schreiben diese Umwandlung der Einwirkung bestimmter Pilze (Pleospora guminip ara Oudcm.) zu, andere der von Bakterien (B. Acacia, B. metarabinuni), noch andere aber der von Diastase-artigen Enzymen,, also nicht organisierter Fermente. Die Abscheidung von Gummi geschieht wohl meistens an verletzten Stellen der Rinde, vielleicht in dem Bestreben der Pflanze, diese Verletzungen zu schließen. Klima und Feuchtigkeit scheinen dabei sehr wesentliche Rollen zu spielen, die aber wohl noch kaum sicher erforscht sind. Sehr häufig scheinen nach Busse Insektenstiche die Veranlassung der Gummiabsonderung zu sein.