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ohne Zutun des Menschen in der Urzeit eine recht große Verbreitung hatte; aber ich möchte annehmen, daß ihre Kultur und die Anwendung der Farbe zu kosmetischen Zwecken eine Erfindung des ältesten Orients war, von wo der Gebrauch sich einerseits nach dem alten Ägypten und Palästina, andererseits nach dem alten Indien verbreitete. De Candolle möchte Persien und seine Grenzgebiete für die Heimat der Kultur ansprechen, Semler die westasiatischen Steppen, Sch wein furth meint, daß sie von Indien stamme und in Persien ihre erste Station auf dem Wege nach Ägypten machte. Es wäre interessant, von den Orientforschern zu erfahren, welche alten Völker und wann sie den Gebrauch der Nägel- etc. Färbung hatten, und ob nicht wahrscheinlich irgend ein ritueller Gebrauch zu diesem merkwürdigen Färben führte, etwa daß man sich so für den Besuch der Tempel schmückte. Bei den Mohammedanern tut man dies heute wenigstens besonders bei Festen. Es scheint mir nicht unmöglich, daß der Gebrauch des Hennah-Färbens ebenso wie der des Weihrauchs mit den ältesten Religionsausübungen zusammenhing, und daß er mit diesen Religionen nach Altägypten aus Vorderasien, Arabien oder aus den Ländern um den persischen Golf gelangte, von wo er auch nach Indien gewandert sein könnte.
In Ostafrika heißt die Pflanze mhinna, aus Bagamoyo wird noch das Wort mhanuni genannt. Hier ist die Pflanze wohl ohne Zweifel durch die Perser oder durch die alten Händler von Südarabien eingeführt, wahrscheinlich erst nach der Etablierung des Mohammedanismus; sie ist bei uns nicht wild, nur bei den alten persischen und arabischen Ansiedlungen verwildert, und ich möchte annehmen, daß der Mohammedanismus sie auch nach Marokko, Senegambien, dem Sudan und den Haussaländern, wo sie lalee, lalc heißt, brachte. An den oberen Nil ist sie vielleicht schon von Altägypten aus gebracht. Die Exemplare, die Emin in Lattuka fand, hält Sch wein furth für verwildert.
Die aus den Blättern und jungen Zweigen bereitete Pasta wird in den Indierläden feil gehalten, oft auch im Haushalt der Eingeborenen angefertigt. Es kommt mir vor, als ob der Gebrauch seit dem Eindringen der Europäer etwas abnimmt; an der Küste ist er überhaupt nicht sehr verbreitet, außer bei Arabern und Indiern, und in Zanzibar wenden ihn unter den Negern nur Frauen und nichtsnützige Dandies an. Die Indierfrauen sieht man allerdings fast immer so geschmückt, ebensowie die weißen Bärte der Indier und die Schwänze der weißen Esel, wenn letztere im Besitz von Farbigen sind.
Die wohlriechenden Blüten waren schon im alten Ägypten geschätzt, in Indien heißen sie mchudi. In Daressalam haben wir vor Jahren einmal etwas süßlich nach Teerosen oder Reseda riechendes Öl daraus destilliert.
9. Moringa citrifolia L.
Der von den Engländern indian mulberry genannte kleine Baum mit gegenständigen, ovalen Blättern und unscheinbaren Blüten kommt auf den arabischen