XVI. Farbstoff-liefernde Pflanzen.
1. Bixa orellana L.
Der echte Orlean-Baum ist ein Strauch oder bis io Meter hoher Baum, mit herzförmigen, zugespitzten Blättern und Rispen von schönen rosa Blüten. Die Früchte sind zweiklappig aufspringende, einfächerige Kapseln, die außen stachelig behaart sind und die zahlreichen Samen enthalten, die von einer roten Schicht arrillusartiger Papillen bedeckt sind. Aus dieser roten Samenhülle wird der Orlcan oder Anatto (Arnatto) genannte rote Farbstoff hergestellt, der besonders zum Färben von Butter und Käse verwandt wird. Die Pflanze ist un- zweifelhaft im tropischen Amerika heimisch; ihre Samen wurden auch in den alten, vorcolumbianischen Gräbern gefunden. Die Tupi-Indianer nennen sie nrncu , woraus der französische Name roucou gebildet ist, die Aruäc-Indianer bixa, bicha. Wahrscheinlich ist die in Panama, Peru, Columbien wild vorkommende Var. platycarpa Warbg. die Urform der Kultursorten.
Diese Pflanze scheint eine der ersten gewesen zu sein, die von den Entdeckern aus Amerika nach Südasien und Afrika usw. ausgeführt wurde, und sie hat sich in ihren neuen Heimatsländern fast ganz akklimatisiert. Man unterscheidet eine Var. carriboa mit rosa Blüten und eine Var. indica mit weißen Blüten. Sie ist in Südasien überall zu finden, von Indien bis zu den Tonga- Inseln und Hawaii. Die Indier nennen sie watkana, gulbas, kisri, kcsari, kesar- bondi, kisti, carpurji, scndri, die Malayen kasuinba-klmg.
In Zanzibar ist der Baum häufig und wird dort wie an unserer Küste msinga-furi genannt, ein Name, dessen Ableitung ich nicht habe eruiren können.*) Der Same wird hier und da zur Herstellung einer roten Markier-Farbe oder Tinte benützt. Wahrscheinlich haben die Portugiesen ihn im 16. oder 17. Jahrhundert eingeführt. Auf einigen Pflanzungen hat man den Baum, der sehr schnell dichte Hecken bildet, zum Schutze anderer Kulturen gegen Wind gepflanzt, so z. B. auf den Vanille-Pflanzungen bei Bagamoyo. Dort hat man auch
*) Ob er mit dem portugiesischen Wort für »färben« - tingir zusammenhängt?