Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
Entstehung
Seite
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ich weil', wohl nur in der Küche zu Gebacken und Zuckenverk, sowie als Zusatz zum Kaffee. Der Gebrauch scheint durch die Araber hier eingeführt zu sein, wenigstens wird der Stoff auch hier zafram genannt. Die damit hergestellten Backwerke haben für unser Gefühl einen »orientalischen«, uns nicht sehr zu­sagenden Geschmack. Die Moden haben sich eben sehr geändert und mit ihnen der Geschmack; die Deutschen des Mittelalters noch schätzten den Safran als eins der besten und kostbarsten Gewürze.

Vielleicht wird hier und da in Marokko, in Indien usw. auch noch in alter Weise das Leder mit Safran hell leuchtend gelb gefärbt. Allerdings wird man das »Corduan-Leder«*) jetzt wohl meist mit Anilin färben, und Farbe, Geruch und Geschmack des Safran ruft uns Modernen nicht mehr das Entzücken wach, wie den Alten, bei denen bei diesem Stoff wahrscheinlich noch religiöse und mythische Bedeutungen dazu kamen.

4. Ceasalpinia Sappan L.

Das Sappan-Holz genannte Färbmaterial ist das rote Kernholz dieses in Indien und dem Malayischen Archipel vorkommenden kleinen Baumes. Im Sanscrit hieß er pattanga, auf indisch jetzt pattangay, bakctnu. bakam, Uri, bokmo, bakapu , malayalam chappannam in Java sachang, bei den Malayen sapang, kayu-sappan, bei den Persern und Arabern andam bakam, baqqam (richtiger bakkam). Marco- Polo erwähnt diesen von ihm vcrzino genannten Baum aus Lambri auf Sumatra, von Ceylon und der Malabar-Küste. Der Übersetzer und Herausgeber der neuen deutschen Ausgabe, Dr. Lemke (Guttenberg-Verlag in Hamburg), schreibt außerdem auch »Brasilholz«. Nun soll nach Tauberts Angabe in Englers »Pflanzenfamilien« schon im Jahre 1193 ein indisches Rotholz auf dem Land­wege nach Europa gekommen sein, das man brasil oder brcsil genannt habe. Im 14. Jahrhundert hieß es in Coeln (Ordinancie van der Dumvagen) Brusilicn- holtz. Und noch heute wird nach der »Cyclopedy of India« von Balfour das Sappan-Holz von den Engländern brazilwood, brasilctto, von den Italienern Icgno di brasilc oder vcrzino, von den Portugiesen pao brasil, von den Spaniern madcira de brezil sonst noch brcsil, brasil ly, braxilis, brasilc **) genannt. Und den darin enthaltenen ;x>ten Farbstoff bezeichnet man als Brasilin. Un­zweifelhaft ist das Holz unter dem Namen brasil, brusil demnach schon vor der Entdeckung Amerikas im 12. 15. Jahrhundert aus Indien bekannt gewesen; und als die Portugiesen unter Cabral 1500 den Südkontinent von Amerika fanden, nannten sie das neuentdeckte Land zuerst Santa Cruz, dann nach dem vielen dort vorkommenden Brasil-Wob. »Brasilien«. J-) Denn dort kommt das beste

*) Safian-Leder hat damit nichts zu tun, es hat seinen Namen nach der Stadt Safi in \I arokko.

**) Von braglia, brascia, brasa, braise, glühende Kohle, der Farbe wegen nach Heyd.

-'*) Siehe auch Comes, Histoire du Tabac, S. 30, Heyd II, S. 576.