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wolle, die als sperriges Gut ungefähr gleiche Sätze wie Haifa zahlen wird, kostet allein 42’/a Mark für 1000 Kilo, demnach 5,3 Francs für 100 Kilo, die in Algier vielleicht 7—12 Francs, in Hamburg 13—24 Mark wert sind. Ich glaube, daß wir nach diesen Zahlen nie daran denken können, hier die Stipa einzuführen.
Das Haifagras dient in England zur Papierfabrikation, die besten Sorten auch zu Flechtereien. Da kommt es viel eher in Frage, zu untersuchen, ob wir nicht bei uns natürlich wachsende Bestände in erreichbarer Nähe finden, die man für dieselben Zwecke nutzbar machen könnte. Die Gattung Stipa scheint nach dem, was man bisher weiß, bei uns zwar zu fehlen, aber die verwandte Aristida kommt in mehreren Arten vor. W enn es auch immer noch recht zweifelhaft ist, ob wir hier bei unseren Arbeiterlöhnen und bei den hohen Dampferfrachten ein Gras in erheblichen Quantitäten liefern können zu einem Preise, der mit dem für Haifa konkurrieren kann, so scheint es mir jedenfalls eine weit bessere Anwendung von verfügbaren Mitteln zu sein, die hiesigen Gräser usw. auf ihre Verwendbarkeit zu diesen Zwecken zu prüfen und zugleich die für die Ausbeutung in Präge kommenden wirtschaftlichen Verhältnisse zu studieren, als sie an unausführbare Projekte zu setzen, die sich niemals bezahlt machen können.
Das B. L. I. hat vor längerer Zeit bereits eine ganze Reihe von Pflanzenstoffen, welche für die Herstellung von Papier in Frage kommen, nach Deutschland an Fachleute eingesandt und wird dies auch gerne mit anderen faserigen Rinden und Gräsern tun. Bisher sind u. a. fortgesandt: Baobab-Rinde (16 bis 18 Mark pro 100 Kilo in Hamburg), Reisstroh, Baumwollabfälle, Sisalabfälle, Kapok, Papyrus, Juncus u. a. m. Sollte jemand Interesse an solchen Stoffen haben oder geeignetes finden, so wird das B. L. I. gerne die Untersuchung vermitteln.
13. Anhang.
Es kann nicht Aufgabe dieser Besprechungen sein, alle Pflanzen aufzuführen, die in unserem Gebiet P'asern liefern oder liefern könnten. Die verschiedenen Palmen-Produkte (einschließlich Raphia- Bast und Piassava), Jute, Adansoriia, Hibiscns u. a. wurden schon an anderer Stelle besprochen. Ich will hier nur noch einige P'asern erwähnen, die vor kurzem viel von sich reden machten.
Tiumfetta rhomboidea Jacq. wird in Britisch-Zentralafrika nzonogwe genannt, eine verwandte Art dort lichopn<a, T. scmitriloba L. in Usambara dfiokole.
Sida rhombifolia L., denje in Britisch-Zentralafrika, liefert in trockeneren Gegenden eine ausgezeichnete P'aser.
Sccuridaca longip cdunculata Fhes. wird in derselben Gegend bitasc genannt. Alle diese Pflanzen geben vorzügliche P'asern und würden sich gewiß anbauen lassen, aber nach den Angaben des »Bull. Imper. Inst.« B. III sind die P'asern pro Tonne nur zwischen 11 und 16 .£' wert, also noch nicht halb soviel