XV. Pflanzen, welche Faserstoffe liefern.
1. Agave rigida var. sisalana Engelm*)
Die ersten Schriftsteller, welche nach der Entdeckung der neuen Welt die Natur derselben beschrieben, gedachten der merkwürdigen, dickblättrigen Agaven, die von den Azteken in Mexiko und den Mayo in Yucatan in der mannigfaltigsten Weise benützt wurden. Schon die ersten Reisenden nach Amerika brachten spätestens in der Mitte des 16. Jahrhunderts (angeblich 1561) die »Wunderpflanze« nach Europa, wo sie sich in der Mittelmeerregion ganz naturalisiert hat, so daß Uneingeweihte sie dort für einheimisch erklären könnten.**)
Man zählt mindestens 50 Arten der Gattung Agave und 15 der verwandten Gattung Fourcroya, die alle in Amerika zu Hause sind, und von denen eine Menge dort seit der Urzeit kultiviert oder ausgebeutet werden, in erster Linie der Fasern wegen, dann aber auch, indem man bei einigen aus dem Saft, welcher dem abgeschnittenen Blütenstiel entströmt, das mexikanische Nationalgetränk, die Pulque, herstellt. In der ersten Zeit wurden die aus Mittelamerika ausgeführten Agaven in Europa usw. mehr als Zierpflanzen und Kuriositäten angesehen, und erst zum Beginn des 19. Jahrhunderts nahm man sich der Kultur derselben an.
Außer der nicht sehr ergiebigen Fourcroya giga 7 itea kommen für uns zur Erzeugung von Fasern zwei Varietäten von Agave rigida in Betracht.
Die Var. elongata, der Sacci von Yucatan (spanisch saqui), auch weißer Hennequcn genannt. Die Blätter sind weißgrün, wachsig bereift, ihre Ränder oft mit Dornen versehen. Zu dieser Sorte gehören die meisten der in Yucatan kultivierten Agaven. Hier in Ostafrika ist sie, um das gleich vorauszusenden, erst ziemlich spät durch den Direktor der Deutschen Agaven-Gesellschaft, Herrn Korsch, eingeführt.
*) Diese Notizen sind großenteils von mir im «Pflanzer» 1907 abgedruckt worden.
**) Man behauptete sogar, die Zeichnung einer Agave auf den Wandmalereien in Pompeji gefunden zu haben, doch wird sich dies wohl als ein Irrtum herausgestellt haben. Soweit man bis jetzt weiß, haben alle Agaven ihre Heimat in Amerika.
Stuhlmann, Beiträge zur Kulturgeschichte von Ostafrika.
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