538
viel rascher wachsenden Sisal-Agaven beginnt, so daß das Anlagekapital für diese Pflanzung durch die Gewinne der Sanseviera-Ausbeute wenigstens großenteils gedeckt wird, ein Verfahren, das man nach Dr. Braun s Bericht bei Voi schon in Aussicht genommen hat.
Nach der amtlichen Denkschrift wurden 1906/07 15 000 Kilo Pasern im Werte von 3592 Mark ausgeführt. Außer aus D.-O.-A. kommen von Ceylon und Columbien diese Fasern auf den Markt, meist unter der Bezeichnung der Engländer als Bowstring Hemp d. h. Bogensehnen-Hanf, weil man früher aus ihnen in Indien die Sehnen der Bögen herstellte.
Im Haushalt unserer Eingeborenen spielen diese Fasern seit alters eine ziemlich bedeutende Rolle; sie machen überall Stricke, Netze, Geflechte daraus und benützen sie zum Aufziehen der Perlen. Jeder Neger wird die ukonge- Fasern kennen.
Nach den Berichten von L. Riebow waren 1906 Sanseviera-Fasern von Columbien zu 68—76 Mark pro 100 Kilo, von Deutsch-Ostafrika zu 54—62 Mark pro 100 Kilo in Hamburg verkauft worden. I111 Jahre 1907 sanken die Preise von 88 Mark auf 36—58 Mark, entsprechend dem allgemeinen Rückgang der Hanfpreise.
Proben aus der Insel Ukerewe wurden nach den Verhandlungen des Kol.- Wirtsch. Komitees in Hamburg im Mai 1907 mit 70 Mark bewertet, solche aus. Nairobi im Januar 1907 mit 80 Mark.
12. Stipa tenacissima L.
Die in Spanien Esparto, in Nordafrika Haifa*) genannten Blätter dieses Wüstengrases bilden einen so außerordentlich wichtigen Handelsartikel in Spanien und besonders in Algier, Marocco und Tunis, daß man sich in Deutschland mit dem Gedanken trug, ob die Pflanze nicht bei uns in Ostafrika einzuführen sei.
Über Südwestafrika habe ich kein Urteil, für unser Gebiet kann ich den Versuch nicht befürworten (siehe »Pflanzer« 1907).
Sehen wir uns einmal an-, was Trabut darüber in einer ausführlichen Monographie, die 1889 erschien, schreibt: Die Pflanze kommt spontan in enormen Gebieten der ariden Zone von Nordafrika und in Spanien vor; in Algier schätzt man ihr Gebiet auf etwa 5 Millionen Hektar. Dort sammelt man die Gräser ein und transportiert sie auf Kamelen oder auf eigens zu diesem Zweck gebauten Bahnen zu den Verschiffungshäfen, von wo sie alsdann nur verhältnismäßig geringe FYachten nach ihrem Hauptkonsumlande (England) zu tragen haben. Besondere administrative Maßregeln sind zum Schutze der Bestände getroffen. Stellenweis, besonders in Spanien, hat man sie auch künstlich vermehrt und dabei festgestellt,
*) Die Araber in Algier und Tunis sagen halfa, alfa, weiter im Osten gueddim, die. Tuareg ari.