Part 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
Place and Date of Creation
Page
533
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

533

fälle der Baumwolle zur Herstellung des Papiers und mußte, um bei dem immer größeren Konsum billige Ware hersteilen zu können, bald auch zum Holzstoff, zu Haifa-Gras und allen den zahllosen Papiermaterialien der Neuzeit greifen.

Das Papier heißt bei den Arabern warka , warak (Blatt), bei den Persern kaghus, bei den Portugiesen papcl. Die Leute hier in Ostafrika nennen es car- tas, karatassi. Es scheint, als ob weder die Araber noch die Perser den Ostafrikanern die Kenntnis davon brachten, sondern die Portugiesen. Viel­leicht aber gibt es im Arabischen auch einen aus den europäischen Sprachen entlehnten Ausdruck Chartas, oder aber die hiesigen Leute nannten das Papier nach dem portugiesischen Wort für Brief carta, Anschlagzettel cartaa, denn es ist unwahrscheinlich, daß die Nationen, die Papier carta, Charta, wie die Italiener nennen, es hierher brachten. Die Araber schreiben in den Koranschulen hier oft noch heute wie zu Mohammeds Zeiten auf einem Schafschulterblatt oder auf einem Brettchen, das immer wieder abgerieben und geweißt wird.

Während die guten Papiersorten aus Deutschland, Frankreich und England herkommen, werden ordinäre Sorten hier massenhaft aus Bombay eingeführt. Ich habe bei Poona selbst eine mit großen Maschinen arbeitende Fabrik eines Parsi besucht, wo auch das Schreibpapier für die Kanzleien des Gouvernements hergestellt wurde, und wo man außer einheimischen Materialien (Lumpen und das Gras Ischacmon an gu stifo l in in) auch massenhaft aus Schweden (!) ein­geführte Cellulose benutzte.

9. Hibiscus cannabinus L.

Unter den Namen Madras-Jute oder Bimlipatam-Jute auch Dekan- oder Ambari-Hanf kommt von Madras seit einigen Jahren eine bedeutende Menge Faser, die nicht von Cor ch orus*) sondern von Hibiscus cannabinus L. stammt, eine zu den Malven gehörige Pflanze, die in Afrika sehr häufig wild wächst.

1902/03 wurden von Madras 64787 ctw. im Werte von 436687 Rps. 1906/07 ,, 278411 3938427

ausgeführt, also ganz bedeutende Mengen.

Da die Pflanze hier wie erwähnt wild wächst, wäre sie leicht zu ziehen, die Faser aber wird durch einen Röstprozeß gewonnen werden müssen, der sich wohl eher für kleinere Betriebe als für große Gesellschaften eignen dürfte. Wo wir in Deutsch­land großen Bedarf an Jute haben, diese Hibiscus- Jute aber so gut sein soll wie Mittelware von Corchorus- Jute aus Calcutta, und da sich wahrscheinlich weite Distrikte für Hibiscus viel eher eignen als hier Corchorus , kann ich dieser Hibiscus-YccAXwx viel eher das Wort reden als der von Bengal-Jute.

0 Vergl. Corchorus unter den Gemüse-Pflanzen.