zuführen zusammen mit ihrer Tembe-Wohnung, wohl Nachahmungen von Erzeugnissen, welche dies Volk an der Küste sah. Denn offenbar haben diese Leute schon mindestens zur Zeit der Portugiesen im löten Jahrhundert viele Beziehungen mit der Küste gehabt. Die Lindo-Schachtel wird eine etwas ältere Einführung sein, die kastenartige Tembe-Wohnung mit ihrem gestampften Lehmdach aber scheint eine recht neue Errungenschaft zu sein, abgelauscht den Einrichtungen, welche die Karawanenleute an der Küste (oder vielleicht sogar bei Arabern im Innern) sahen, und die praktischen Leute haben diese Hausform zu Verteidungszwecken angenommen.
(Denkbar ist aber auch, daß die Tembe aus der Höhlenwohnung entstanden ist, deren Wände man mit Hölzern sicherte, und die man mit Knüppeln eindeckte, auf welche Erde geworfen wurde?)
7 . Fourcroya gigantea Vent.
Es ist dies eine Agave, welche nicht graugrüne, sondern hellgrasgrüne Blätter hat, die bedeutend größer als die der Sisal-Agave sind. Die einzelnen Blätter können über zwei Meter lang und mehr als 2 V* Kilo schwer werden. An den Rändern haben die meisten Blätter einzelne Stacheln. Die Art ist in Mexiko heimisch, aber schon früh als Zierpflanze überall in den wärmeren Ländern verbreitet worden. Sie vermehrt sich auch durch Wurzelschößlinge, aber vor allem durch Bulbillen, die in großen Massen sich an den Blütenständen bilden, an denen Früchte wohl nie zur Entwickelung kommen.
In enormen Mengen ist diese Agaven-Sorte in Mauritius verwildert, wo man auch für ihre künstliche Vermehrung sorgt. Seit längerer Zeit gewinnt man dort den »Hanf« derselben mit Maschinen, die unter dem Namen »grattes« in den Forges et fonderies in Port Louis gebaut werden.
Es war nun allerdings bekannt, daß die Sisal-Agave einen besseren Ertrag und eine wertvollere Faser lieferte als die Fourcroya, aber deren Pflanzenmaterial war, wie Kikogwe zeigte, recht schwer zu erlangen. In Anbetracht nun, daß Mauritius, wo sie 1790 eingeführt ist, mit dem Foureroy «-Fasern gut verdiente und große Ausfuhren hatte, und daß das Pflanzmaterial leicht zu beschaffen war, machte ich dem Gouvernement den Vorschlag, einen Anbau auch mit dieser Art zu versuchen, besonders wo am Hafen von Daressalam ein geeignetes Stück Land mit guten Verkehrsverhältnissen ohnedies bepflanzt werden sollte.
In Bagamoyo standen eine Anzahl dieser Fourcroya- Agaven, wahrscheinlich durch die »Missionare vom Heiligen Geist« aus Reunion dorthin gebracht*); auch in Zanzibar konnte man die Art hier und da sehen. Es waren
*) Auch eine botanisch noch nicht bestimmte niedere Agave^die für Einzäumungen benutzt wird, ist offenbar auf dieselbe Weise von Reunion eingeführt (wohl nach 1860). Diese Missionen begannen 1862 ihre Tätigkeit im Schutzgebiet.
Stuhlmann, Beiträge zur Kulturgeschichte von östafrika. 3-