Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
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machte man Flöße, geradeso wie wir heute sie in Ostafrika in haschinenform zum Uberbrücken von Sümpfen gebrauchen.

Der einzige Punkt in Europa, wo die Pflanze verwildert vorkommt, und den alle Touristen besuchen, ist bekanntlich der Anapus-Pluß bei Syrakus. Zahm im Vergleich zu den großen Sümpfen im Seengebiet bei uns, aber doch poetisch steht der Papyrus da, aber man muß nur nicht glauben, daß er dort ein Rest klassischen Griechentums ist; die Quelle der Kyane floß nicht zwischen Papyrus; auch Orangen und Zitronen gab es im Altertum dort nicht, Gehölze oder Mac­chien werden die Quelle eingesäumt haben. Der Papyrus ist erst durch die Araber aus Ägypten im io. Jahrhundert in Sizilien eingeführt, und zwar wurde er zunächst im Bette des Papireto-Baches bei Palermo gepflanzt, von wo ihn Ibn Haukal uns 977 zuerst erwähnt. Bei Syrakus ist er 1624 noch nicht gewesen und wird zum ersten Mal im Jahre 1674 genannt, ist demnach dort eine ganz moderne Einführung. Er hat sich am Anapus aber vorzüglich akklimati­siert, während man ihn der Malaria wegen in Palermo wieder ausrottete. Und es berührt Einen sehr poetisch, wenn bei Syrakus die nach alter Methode ge­fertigten Papyrus- Blätter aus den kreuzweisen Streifen dem Reisenden zum Kaufe angeboten werden.

Ein erstrebenswertes Ziel würde es sein, die enormen Bestände dieses Riesen-Riedgrases bei uns nutzbar zu machen. Wenn das Mark, welches die Alten besonders für ihr »Papier« gebrauchten, dafür jetzt zu weich ist, dann könnten vielleicht die sehr zähe Rinde der Stengel zur heutigen Papierfabrikation dienen.

6. Ficus-Rinde.

Die Rinde von Ficus (Urostigma) chlamydodora Warb, wird in Uganda sowie im größten Teil des Zwischenseengebietes in Mengen gewonnen, um daraus die bekannten Rindenstoffe, den bhgu der Waganda herzustellen. Zu demselben Zwecke benützt man auch noch die Rinde von F. p ersicif 0lia Warbg., von F. Rokko Warbg. et Schweinfth. und einer Art, die wahr­scheinlich zu F. gl um osa gehört. Letztere Art ist unter den Namen malcmba oder psilopoga in Angola gefunden, der F. Rokko kommt bei den Niam-Niam und Mombuttu im Quellgebiet des Bahr-el-Gazal unter dem Namen rokko vor, und wurde von mir auch in Mpororo nachgewiesen. F. p er sicif 0 lia wurde im Quellgebiet des Bahr-el-Gazal, im Zwischenseengebiet bei Bukoba und in Uganda gefunden unter dem Namen milumba. F. chlamy dodora ist ge­sammelt in Unyamwezi als mrumba, (Gonda, Tobora, Bussissi), in Uganda als mlumba, ebenso in Urundi, auch ist er in Hochwald von Westusambara bei Lutinde nachgewiesen.

Außerdem wird in Unyamwezi und Usukuma sowie in den Nachbargebieten noch aus der Rinde von Leguminosen, wahrscheinlich von Brachystegia app endiculata Benth. r B. spiciformis Benth. und von Berlinia Eminii Taub, (dem myombo der Wanyamwezi, dem muba bei Igonda, dem