Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
Entstehung
Seite
487
Einzelbild herunterladen
 

487

geborenen ebenso wie die von Ceiba benützt wird. Daß sie viel Handelswert hat, glaube ich nicht; auch seine Samen enthalten Ol, und die Faser wird wegen ihrer Farbe gewiß für manche Zwecke verwertbar sein. Mein Freund Dr. Kan dt machte mich darauf aufmerksam, ob sie nicht für Friseure zur Anfertigung von vergänglichen Theaterbärten und Perrücken brauchbar wäre.

Der Baum heißt in Usambara nach Holst murari, mualc, in Unyamwezi nigudc. Der Bo m bax malab aricum heißt in Indien simul.

4. Ceiba pentandra (L) Gärtn.

(Eriodendron anfractuosum DC.)

Der Baumwollbaum gehört zur Familie der Bombaceen, deren Arten meistens in Amerika zu Hause sind. Von den 9 Arten der Gattung Ceiba ge­hören 8 Amerika an, und eine ist unser in der ganzen Tropenzone verbreiteter Baumwollbaum, der auch viel unter seinem malayischen Namen kapok bekannt ist. Hier an der Küste wird jedermann der hohe spindelige wstiffi-Bimm gegen­wärtig sein mit seinem kerzengeraden Stamm mit grau-grüner Rinde, auf der oft kegelförmige Dornen sitzen. Etagenweise gehen quirlförmig angeordnete Aste von ihm ab, die wenige gefiederte Blätter tragen, und dann und wann die weißen Blütenbüschel oder die 1015 cm langen braunen Kapselfrüchte. Die Blüten erscheinen vor den periodisch abgeworfenen Blättern. Wegen seiner geringen Belaubtheit und der regelmäßigen Etagenanordnung der Aste benützt man in vielen Ländern den Baum als lebende Telegraphenpfähle oder als rasch wachsende Stützen für Klettergewächse. Die Kapsel springt mit 5 Klappen oben an ihrem Ansetzungspunkt auf und läßt alsdann die gelblich-weiße, feinseidige »Wolle« heraustreten, die oft weit vom Winde fortgeweht wird. In dieser kurzstapeligen Samenfaser sitzen runde Kerne, die etwa 20 % Ol enthalten.

Zur Herstellung von Geweben ist diese Wolle schlecht zu verwenden, wohl aber wird sie als Polster und Packmaterial geschätzt und auch nach Europa unter ihrem malayischen Namen kapok verhandelt. Neuerdings verwendet man sie be­sonders als Füllmaterial für die Reformbetten und Schwimmgürtel. Die Schwierig­keit ist, die Wolle gut von den Kernen zu befreien, wozu man in Java einen von mir im Tropenpflanzer 1902 beschriebenen Apparat konstruiert hatte. In Java rechnete man, daß jeder Baum jährlich etwa 320 Früchte liefert; um 62'/ 2 Kilo Wolle zu gewinnen, brauchte man dort 80000 Früchte. Von 50000 Bäumen gewinnt man ungefähr 200 Pikul ä 62 '/a Kilo W olle jährlich, die in Ham­burg etwa 42,50 Mark pro Zentner kosten.

Der Baum kommt in Südamerika, Ost-Indien, den Sunda-Inseln, in West- uncl Ostafrika vor. Da seine Verwandten alle in Amerika leben, liegt die Ver­mutung sehr nahe, daß er anderswo eingeführt ist. Bei uns in Ostafrika ist es ohne Zweifel eine eingeführte Pflanze, die noch nicht sehr lange hier sein kann, denn man sieht sie nur an der Küste bei den Siedelungen oder Pflanzungen, und im Innern meines Wissens nur bei den alten Araber-Plätzen, wie z. B. in Tabora,