Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
Entstehung
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möglichen Kulturen erworben hat, scheint keine guten Resultate erzielt und den Anbau wieder aufgegeben zu haben.

Ich glaube, nach den bisherigen Resultaten dieser Pflanze, keine günstige Zukunft bei uns Voraussagen zu können, es sei denn, daß eine einwandfreie Maschine zur Isolierung der Faser erfunden wird. Neuerdings wird angegeben, daß der Amerikaner H. W. Howard ein chemisches Verfahren erfand, mit dem SOO Pfund gebleichter und entfetteter Fasern in vier Stunden hergestellt werden (Howard, Ramie Fibre M. Co.).

In ein neues Stadium scheint die Verwendung der Ramie aber neuerdings dadurch getreten zu sein, daß die Papierindustrie sich dieses Artikels annimmt. Der Gummi, der aus den »Streifen« so schwer zu entfernen ist, wenn man die seidige, schöne Faser gewinnen will, ist den Papierfabrikanten gerade sehr will­kommen zum Leimen des Papiers, und so scheint er das Produkt recht hoch für die Herstellung sehr feiner Luxuspapiere bezahlen zu können. Ich glaube sogar, daß er die schöne Faser gewissermaßen als Nebenprodukt betrachtet.

Es wäre demnach sehr wichtig zu sagen, ob auf sehr günstigen Böden, die sich bewässern lassen müssen, die Ramie bei uns gedeiht. Da man die Pflanze jährlich siebenmal schneiden soll, so werden nur sehr nährstoffreiche, eventuell vulkanische Ländereien und viel Düngung in Frage kommen. Die besten Resultate der Chinesen mit ihrer glänzenden Ausnützung aller Düngermittel (vor allem auch der Haarabfälle beim Rasieren) werden wir aber schwerlich erreichen können. Ein Versuch ist aber immerhin zu empfehlen, und man sollte sich durch die auf­gegebenen Versuche einer hiesigen Pflanzung an den Pangani-Fällen nicht ab- schrecken lassen.

Aus China wurden in Hamburg eingeführt:

1905 3830 Dz. im Werte von 260020 Mk.

1906 1011 70270

1907 4067 240660

von »China-Gras«, also 1905 zu nicht ganz 68 Mark pro Doppelzentner. Es sind dies die noch mit Gummi-Rinde behafteten Streifen, aus denen die Faser erst isoliert werden muß und für die kein besonderes Aufbereitungsverfahren auf der Pflanzung nötig ist, aber immerhin ist zu bedenken, daß dieser Stoff billiger als Sisal ist.

3. Bombax rhodognaphalon K. Sch.

ist ein sehr hoher Baum, der der Ceiba p entandr a nahe verwandt ist und hier in Ostafrika wild vorkommt. Er hat ebenfalls einen säulenartigen hohen Stamm, aber nicht den Etagenwuchs seines Verwandten. Die meisten Arten der Gattung kommen in Amerika vor, eine in West-, eine in Ostafrika. Der Baum steht in den Tälern von Usambara im dichten Wald, z. B. hier im Sigital, bei Bombwera, am Kakindi-Bach usw. Busse fand ihn viel bei Lindi.

Die Kapseln enthalten eine kurze rostbraune Wolle, die von den Ein-