Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
Entstehung
Seite
456
Einzelbild herunterladen
 

456

19. Strophantus Kombe Oliv.

Auf seinen Reisen 185864 in den Zambezi-Gebieten fand Livingstone, daß die Eingeborenen dort ein kombe genanntes Pfeilgift benützen, und sein ärzt­licher Begleiter, der spätere englische Generalkonsul in Zanzibar, Dr. John K i r k, der sich um die Erforschung der Flora von Ostafrika so große Verdienste erworben hat, ermittelte 1861, daß dies Pfeilgift aus einer Kletterpflanze her­gestellt wird, die die Leute kombe nannten und die nach der Bestimmung von Oliver zu der schon 1802 von De Candolle aufgestellten Apocynaceen-Gattung Strophantus gehörte. Sir John Kirk hatte durch einen Zufall die physiolo­gische Wirkung des Giftes an sich selbst erfahren, indem etwas davon an seine Zahnbürste geraten war. Die Wirkung war ein Sinken des Pulses. Fraser studierte das Gift genauer, das vorher schon 1862 Sharpey als Herzgift erkannt haben soll. In der Folge sind dann noch eine ganze Reihe von Strop hantus- Arten gefunden, welche dieselbe Wirkung haben. Besonders werden die west­afrikanischen Arten S. hispidus DC. und S.gratus Fr auch, ebenfalls offi­zineil verwandt. Es hat sich aber herausgestellt, daß lange nicht alle Arten der Gattung zu gebrauchen sind; bei einigen konnte man gar keine Reaktion auf das wirksame Prinzip, das Strophantin, feststellen, sie sind demnach wertlos.

Da nun mehrere Arten der Gattung bei uns Vorkommen, von denen bislang meines Wissens nur die S. Kombe sicher als Lieferant von Strophantin nach­gewiesen wurde und deren Samen ziemlich wertvoll sind, lohnt es sich, diese Arten und ihre bisher festgestellte Verbreitung zu betrachten, damit wenn möglich Interessenten in der Lage sind, das Brauchbare von dem Minder­wertigen zu unterscheiden. Ich halte mich dabei vor allem an die Darstellung von Pax (Botan. Jahrb. 1893), an einen Privatbrief von Dr. Gilg, an eine Menge im Laufe der vergangenen 10 Jahre entstandenes Aktenmaterial, an die Exemplare im Herbarium von Amani und vor allem an die Monographie der Gattung Stro- p ha 71 1 u s von Gilg inEnglers Monographien afrikanischer Pflanzenfamilien 1903.

Unter dem 9. Oktober 1897 ordnete das Auswärtige Amt, Kolonial-Abteilung, eine Sammlung von Informationen über das Vorkommen von Strophantus an. Daraufhin erging eine Rundfrage, bei deren Beantwortung einige Daten heraus­kamen ; ferner wurde im Laufe der Zeit von Goetze, Busse und mir ver­schiedenes Material hier gesammelt. Ich gehe hier nicht auf die sehr umfang­reiche pharmakognostische Literatur über das Thema ein, die uns in Amani doch vielfach fehlt, besonders die Monographie von Fraser (Trans. Roy. Soc. Edingb. 1890) und das Werk über die Pfeilgifte von Lewin (1894).

Die Gattung Strop hantus hat 43 Arten im tropischen Afrika und Asien, davon 5 in Ostafrika. Es sind meist kletternde, seltener sparrige Sträucher mit krautigen oder lederartigen Blättern und end- oder seitenständigen Blütenständen.- Die Blüten sind trichter- bis glockenförmig, zeigen am Eingang des Trichters fünf gespaltene oder zehn einfache Schlundschuppen, ihre Blumenkrone trägt am Rande