Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
Entstehung
Seite
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XIV. Die Medizinal- und Gift-Pflanzen.

1. Acocanthera Schimperi Benth. et Hook.

bildet kleine aufrechte Sträucher, die zu der Familie der Apocynaceac gehören. Sie haben dicke lederartige Blätter, in deren Achsen weiße, wohlriechende Blüten stehen, aus denen sich schwarzviolette Beeren entwickeln. Der bis 5 Meter Höhe erreichende Baum ist äußerlich einem Kaffeebaum ähnlich; vor Jahren wurden mir mehrfach Zweige desselben als »wilder Kaffee« gesandt. Man muß sich aber sehr vor dieser Verwechselung hüten, denn die Acocanthera ist eine der giftigsten Pflanzen, die hier Vorkommen, nur das süßliche Fruchtfleisch ist ganz ungiftig, offenbar um einen Transport der Samen durch Vögel und andere Tiere zu ermöglichen, sonst enthalten Samen, Blätter, Rinde, Holz und Wurzeln Glycoside, die das wirksame Prinzip des Pfeilgiftes sind, welches von den Somali, Abessiniern und den meisten Eingeborenen von Ostafrika benützt wird, besonders von Wakamba, die seine Herstellung vielfach monopolisieren. Botanisch soll die genannte Art identisch mit abyssinica Höchst, und kaum zu unter­scheiden sein von A. Deflersii Schto. aus Erythrea und Yemen und A. Ouabaio Cath. im Somaliland*). Aber chemisch und physiologisch scheinen die Arten doch ein wenig voneinander abzuweichen. Der Baum kommt wohl in allen höher gelegenen Teilen von Deutsch-Ostafrika vor, in Westusambara, Ulu- guru, Unguru, Uhehe, Kilimandjaro, Usuwi bei Bukoba, Ukaia-Schaschi usw. und fast überall wird er msunguti, mchunguti genannt. Mchmigu, msungn heißt »bitter«, und ebenso werden alle Gifte und besonders die Pfeilgifte benannt. Das Gift wird aus den Kernen, der Rinde, dem Holz und den Wurzeln hergestellt durch Abkochung der zerkleinerten Massen und Eindampfen des Extraktes. Besonders bereiten die Wakamba dies Gift und verkaufen es in kleinen, in Maisblätter gehüllten, länglichen Paketen, die mit Bast umschnürt sind. Diese Wakamba stammen ursprünglich aus dem Norden in Britisch-Ostafrika, haben

*) Guillain (II 2. S. 173) schreibt, daß nach Brawa die Nord-Somali das Giftholz (ouabaio) bringen. Es wird vielleicht von den Abyssinischen Bergen stammen.