Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
Entstehung
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gaben kein Opium. In der großen Regenzeit gesät, ward das Kraut zu üppig, lagerte sich und verfaulte bald am Boden, aber Ende der großen Regenzeit auf Beten ausgesäter Mohn, den man später berieselte, ergab ein ganz gutes Re­sultat, das auch 1903 wieder erzielt wurde. Das so vom Ökonomiedirektor Eick erhaltene Opium enthielt in der Trockensubstanz 14,39 H /o Morphin, also ein recht guter Gehalt. Es ist sehr gut möglich, daß Kleinsiedler, die geschickte Arbeitshände zur Verfügung haben, auf Feldern, die sich berieseln lassen, mit finanziellem Erfolg hier Mohn bauen können. Die Pflanze soll nach mündlicher Aussage von Dr. Kan dt in Ruanda z. B. ganz vorzüglich gedeihen. Das Opium erträgt auch aus den entferntesten Gegenden den Transport mit Menschen, und die ölhaltige Saat wird immer eine recht angenehme Nebeneinnahme ergeben.

Im portugiesischen Gebiet bei Mopea am Zambezi hatte sich 1879 eine Mohnpflanzung gebildet, deren Ernte man nach Indien und China brachte. Das Produkt wurde durch Mischung auf einen Morphiumgehalt von 4 % gebracht. Ob die Anlage sich rentiert hat und ob sie noch besteht, ist mir zweifelhaft.

15. Pilocarpus pennatifolius Lern.

ist ein kleiner zu den Rutaceae gehöriger Strauch aus Brasilien, dessen Blätter zusammen mit denen anderer Arten dieser Gattung die Jaborandi genannte .

Drogue liefern. Die Pflanze ward von Pi so im I7ten Jahrhundert aus Brasilien beschrieben, da ihre Wurzeln bei Indianern und Portugiesen als Gegengift be­benützt wurden. Die Pflanze blieb aber unbeachtet bis sie 1873 von Dr. Coutinho nach Paris gesandt wurde und man dort ihre wichtigen Eigenschaften erkannte.

Das wirksame Prinzip darin, das Pilocarpin fand man 1875, es wirkt schon in sehr geringen Dosen enorm schweißtreibend.

Die Pflanze gedeiht seit einigen Jahren hier in Amani recht gut und hat auch schon Früchte gegeben. Um den Wert der Blätter festzustellen, wurde eine Probe 1907 nach Berlin gesandt.

Die größte Menge der Blätter wird zur Herstellung von Pilocarpin ver­wandt, besonders obige P. J ab orandi Holm und auch die P. microp hy llus Stapf. Die Sendungen kommen von Buenos-Ayres, Paraguay und Cearä. Die Blätter kosteten 1906 45 V 2 Mk. pro Kilo, sind aber starken Schwankungen unterworfen (1908 1,65 Mark), sie enthalten 0,150,65 % Alkaloid. **

16. Piper angustifolium Ruiz. et Pavon.

Ein Pfeffer-Baum, welcher die Matico-Blätter der Apotheken liefert. Der Baum wächst in Brasilien, Peru, Panama, Kuba. Die Blätter waren dort lange als blutstillend bekannt und sind zuerst von Hernandez 1575 beobachtet als tlatlancuaye, der Name Matico soll einer Erzählung nach von einem spanischen