Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
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fehlen, sondern nur die Ausfuhr der gut und rasch im Schatten getrockneten und eventuell pulverisierten Blätter, die wasserdicht zu verpacken sind.

Bedenkt man, daß schon nach 2 Jahren eine Anfangsernte zu erzielen ist, und daß das Feld nach 5 Jahren in Vollertrag steht und dabei 600900 Mk. Brutto bringt, so wird der Ertrag immer noch größer als der von unseren jetzigen Kaffeefeldern sein, auf denen Coca gut wächst. Man muß aber bedenken, daß der Markt nicht unbegrenzt aufnahmefähig für dies Produkt ist, und daß der Be­darf jetzt schon von Südamerika voll gedeckt wird. Ende 1905 versuchte man in Peru, die Rohcoca'in-Fabrikanten in eine gemeinsame Konvention zu bringen, mit der Absicht, nur den wirklichen Bedarf zu produzieren und so den Preis zu halten. Der Versuch scheiterte, weil das Rohprodukt dort in zu vielen kleinen Händen ist, die sich nicht vereinigen ließen. So kam es, daß unter dem Ein­fluß der unausgesetzten Zufuhr der Preis des Rohcoca'ins von 320 Mk. auf 195 Mk. sank.

Somit ist für uns ein rentabler Anbau nur möglich, wenn die Verhältnisse in Südamerika sich gebessert haben dadurch, daß die Produzenten ihre Produktion auf ein vernünftiges Maß beschränken, oder wenn in Deutschland ein hoher Im­portzoll auf fremdes Cocain bezw. Cocablätter gelegt wird. Für dies Produkt kann man das verantworten, da wir aus unseren Kolonien den Bedarf Deutsch­lands bald decken können, was bei Kaffee etc. nicht der Fall ist, aber es be­dingt ein Abweichen von unserer bisherigen Handelspolitik, die keine Differenzial­zölle für deutsche Kolonialprodukte zuläßt und die Kolonien als deutsches Ausland betrachtet. Im Falle von Cocain würden allerdings keine vitalen Handelsinter­essen von Deutschland durch solche Maßnahmen berührt, da englische Kolonien nicht in Betracht kommen.

9. Euphorbia Candelabrum Trem.

und andere hiesige Arten der baumförmigen Wolfsmilchgewächse, die wie Cac- teen aussehen, enthalten eine große Menge von Milchsaft, aus dem nach dem Trocknen sich das Euphorbium genannte Harz bildet, das sehr bitter und ätzend wie der Milchsaft der Pflanze ist. E. antiquorumunü E.Nikae Pax., sind stachlige Sorten, E. tirucalli L., eine Art mit stachellosen, bleistiftrunden Zweigen. Letztere oder eine nahe verwandte Art, wird in enormen Mengen als Einfriedigung von Viehplätzen in Unyamwezi, Usukuma, im Zwischenseengebiet, bei Langenburg usw. angebaut, indem als Umfriedigung einfach Aste der Pflanzen in den Boden ge­steckt werden, die dann anwachsen. Eine eigentliche Kultur derselben findet also nicht statt. Die stacheligen Arten kommen in sehr großen Mengen in den Steppen von Ostafrika, auf den Korallenriffen der Küste usw. vor. Wenn es gelänge, das daraus leicht massenhaft erhältliche Harz nutzbar zu machen, könnte der Verkauf derselben eine gute Einnahmequelle werden. Man wird jedoch vielen Widerstand der Sammler überwinden müssen, da der ungemein giftige