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5. Cinchona succirubra Pavon und C. Ledgeriana Moens.
So außerordentlich wichtig die China-Rinde auch für die Medizin ist, und einen so sehr bedeutenden Handelsartikel sie bildet, so wenig ist eigentlich geschichtlich über sie zu sagen. Ich kann mich da auf wenige Bemerkungen beschränken, es dem Interessenten überlassend, sich ausführlicher in Fliickiger’s Pharmakognosie zu informieren.
Die Cinchona-Arten sind alle in Südamerika in den Bergen von Peru, Bolivia, Equador, Columbien und Venezuela in Regionen von etwa 2000 m Meereshöhe heimisch. Allem Anschein nach haben die Indianer den Gebrauch der Rinde nicht oder nicht allgemein gekannt. Die alten spanischen Schriftsteller schweigen über die Rinde, und die Ansicht von Wellcome und einigen, daß die Indianer den Spaniern ihre Kenntnis von der Rinde früher vorenthalten hätten, hat nicht viel Wahrscheinlichkeit für sich, denn die Rinde ist in den alten Gräbern nicht gefunden und wird noch jetzt von den Indianern ungern angewandt. Der Gebrauch derselben scheint vielmehr auf die Gegend von Loxa beschränkt gewesen zu sein, einem Distrikt von Peru. Dort, im Dorfe Malacatos soll ein vorüberreisender Jesuit durch einen Kaziken durch diese Rinde vom Fieber geheilt worden sein, ebenso 1630 der Corregidor von Loxa, Don Juan Lopez de Canizares. Dieser hat die Rinde der 1638 an Malaria erkrankten Gattin des Vizekönigs, Grafen Chine hon, durch deren Leibarzt Dr. Juan de Vega gesandt. Hierdurch gelangte die Rinde zur Berühmtheit, die Gräfin sorgte für ihre Verbreitung, weshalb man sie zeitweise als polvo de la condessa (»Pulver der Gräfin«) bezeichnete. Sehr bald gelangte die Rinde auch nach Spanien und nach Rom, dort besonders verbreitet durch den Generalprokurator der Jesuiten, Kardinal de Lugo, nach dem man sie auch zeitweise polvorc de los jesuitos, pidvis patrum genannt hat. Der Gräfin Chinchon zu Ehren nannte Linne die Pflanzengattung Cinchona.
Die Indianer im nordwestlichen Südamerika sollen die Hülsen des Peru- balsam-Baumes noch jetzt p'cpitas (Kerne) de quina-quina, kina-kina nennen, und durch Verwechselung habe man dem Perubalsam-Baume die Chinarinde zugeschrieben und diese so genannt. Nach anderen Autoren soll quina, kina bei den Indianern einfach »Rinde« bedeuten. Jedenfalls hat die Rinde nach unserer deutschen Schreibweise mit dem Lande China nicht das geringste zu tun, und die Schreibweisen der Nationen, die quina , kina sagen, kann als die richtigere angesehen werden.
Es gibt eine ganze Menge Arten der Gattung Cinchona. C. succirubra ist vom Chimborasso bis Nord-Peru heimisch und geht tief in die Täler herab, sie ist in ihren Lebensbedingungen am wenigsten anspruchsvoll. C. Ledgeriana wurde 1851 von dem englischen Kaufmann Ch. Ledger in Bolivia gefunden. 1865 erhielt er Samen dieser Art, die nach Java und Britisch-Indien gingen. Es ist dies die wertvollste der Arten, sie macht mit der vorigen leicht Kreuzungen,
Stuhl mann, Beiträge zur Kulturgeschichte von Ostafrika. 28