Part 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
Place and Date of Creation
Page
432
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

432

Obgleich die C. obovata bei uns gut gedeiht, z. B. hier in Amani, ist es nicht wahrscheinlich, daß man mit dieser minderwertigen Sorte Geschäfte machen wird. Möglich aber ist es, daß in trockenen Gegenden des Innern die C. acuti- folia gut wächst und ein verkäufliches Produkt liefert.

4. Cassia fistula L.

Der mfunve der Swahili, mkuinzigur bei Kilossa genannt, kommt in unserm Küstenland öfter wild vor, findet sich auch in Zanzibar wohl einmal angepflanzt. Das Mark aus den langen flötenartigen Früchten ist süßlich und wirkt sehr leicht abführend. Die Pflanze heißt bei den Arabern khiar-shanbur, katha-al- hind, chirnub-hindi (»indisches Johannesbrod), bei den Persern khiar-chanbar, in Indien amaltas , gi.ru/alah, alash, ah, klar usw.

Diese Pflanze ist insofern interessant, daß das Altertum mit dem Wort cassia, casia nicht diese Pflanze, sondern den Zimmt bezeichnete, den kesioth der Juden, die kassia syringe, kassia syriggodes der Griechen, kassia fistula der Römer, zum Unterschied gegen die xylocassia, die nicht aus der röhrenförmig gerollten Rinde, sondern aus holzigen Stücken bestand. Johannes Actuarius in Konstantinopel am Ende des 13. Jahrhunderts und Abdul Abbas Anna- bati zur selben Zeit in Sevilla beschrieben zuerst in Vergleich der langen Früchte mit den Zimmtstangen unsere Pflanze als Cassia , wonach L i n n e dann die Leguminosen-Gattung gleichen Namens machte. Der erste, welcher die Pflanze sah, ist wohl der Dominikaner Jordanus de Severac (Jourdain Catalani), 1330 Bischof von Vorderindien, gewesen. Doch sollen nach Heyd die abendländischen Kaufleute (Symon Simeonis, Sigoli, Piloti) den Baum aus Ägypten gekannt haben. Die langen Früchte seien ein renommiertes Erzeugnis in Ägypten gewesen. Jourd. Cataloni habe sie dann später in Ostindien ge­funden (Heyd II S. 644).

Die langen, johannesbrodartigen Hülsen dieser Pflanze werden von den Negern bisweilen ihres Fruchtmarkes wegen gesucht.

Nach Hamburg wurden 1905 104 Doppelzentner im Werte von 5170 Mark von Holland eingeführt*), 1333 Doppelzentner im Werte von 40550 Mark von Niederländisch-Ostindien, 736 Doppelzentner im Wert von 31 180 Mark wurden nach Rußland ausgeführt, wo man sie gerne wie Johannesbrod ißt. Auch in Deutschland sind sie neuerdings viel in Fruchtläden unter dem Namen »Manna« anzutreffen. Vielleicht könnten die nach Deutschland importierten Cassia- Früchte auch in Ostafrika gesammelt werden, es handelt sich immerhin um etwa 40000 Mark Wert.

*) 1907 545 Doppelzentner im Werte von 19290 Mark von den Niederlanden,

7 5 2 >, » ,, ,, 20830 ,, Niederländisch-Indien.