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Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
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gerne verwandt, sie braten ihre Fische und ihre Reiskuchen (vitumbua) usw. darin. Vielleicht sind früher die schlechten Sorten auch als Lampenöl benützt, allerdings wohl mehr Cocosöl. Aber diese kleinen Tonlampen mit Schnabel, die den antiken ähnelten, sind an der Küste ganz verschwunden, wo man nur noch Petroleum in kleinen, immer qualmenden Lämpchen aus altem Blech brennt; und der Neger des Inneren kennt eine Abendbeleuchtung mit Lampe nicht, das Herdfeuer genügt ihm.

Sesam-Saat ist zu Hause ein Artikel, der sehr aufnahmefähig ist, wie alle Öl­früchte, außerdem verträgt er bei dem Hamburger Preise von ca. 27 32 Mk. pro

100 Kilo die Transportkosten. Es ist, schon weil die Sesam-Kultur in den Hackbau des Negers hineinpaßt, ein vorzügliches Exportprodukt für ihn in allen Gegenden, die leidlich am Verkehr liegen. Man kann gar nicht genug die Leute zum An­bau davon anregen, und die Eröffnung des Handels am Victoria-See durch die Uganda-Bahn hat gezeigt, daß die Eingeborenen, welche im Aktionsradius der Bahn wohnen, schon ein wenig an den Anbau herangehen, sowie an den von Erdnüssen.

13. Sterculia sp.

Die dunklen, in einem Pelz von unangenehmen Brennhaaren sitzenden Samen von Sterculia- Arten werden neuerdings gesucht, da man aus ihnen Substanzen herstellt, welche als Zusatz zum Kautschuk verwandt werden. Bei uns in Ostafrika kommen eine ganze Anzahl Arten dieser Pflanzengattung vor- z. B. die hohen Bäume mit den langen, schneeweißen Stämmen die in Flußufer, wäldern häufig sind (St. alata). Es würde sich der Mühe lohnen, von allen Sterculia- Arten einmal Samen-Proben zur Untersuchung einzusammeln.

14. Telfairia pedata Hook.

Die Kwemme-Liane bringt riesige, kürbisartige Früchte hervor, welche eine Menge flacher Kerne enthalten, deren grüne Binnenschale bitter, das Fleisch aber süß und sehr ölhaltig ist, so daß man die Kerne recht gut als Ersatz für Mandeln verwenden kann. Die Kerne sind außen von einem Netz von Bastzellen um­geben. Die mächtige armdicke Liane ist offenbar in dem Küstengebiet von Ostafrika heimisch; sie wird von den Negern aber oft in Halbkultur genommen und an den Bäumen in der Nähe der Dörfer angepflanzt, da man ihre Samen gerne ißt und auch an der Küste verkauft. Der Swahili-Name ist mkweme, und unter dieser Bezeichnung ist sie auch in Reunion, Madagascar, Mossambik in Kultur. In Usambara heißen die großen Früchte limba, die Nüsse lukungu, bei den Wadigo kungu, den Wassegeju ngungu, den Wamakonde dimcme, den Wahiyao mapeme, Man kann die Samen überall an der Küste zu kaufen bekommen.