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Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
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Der hiesige wilde Ölbaum, Olea chry sop hy lla, heißt in Yemen attum, öttum, in Abessinien auf Tigrinisch auleh, ohlcli, auf Amhara woira, wogera, bei den Galla dort cdjerssa, in Usambara msiagembe. Der Olea olcastcr heißt in Algier bei den Arabern acboudj, scmboudj, bei den Kabylen in Algier azcmmour, in Italien olivastro, oleastro.

9. Ricinus communis L.

Die Rizinusstaude wächst hier in Ostafrika halb wild auf jedem Schutt­haufen und als Unkraut fast auf jedem Felde. Deshalb wird jeder Afrikaner dies oft 3 Meter hoch werdende Gewächs mit seinen hübschen, gelappten Blättern, den unscheinbaren gelben Blütenrispen und den stacheligen Früchten kennen, welche nach dem Reifen mit einem hörbaren Knack aufspringen und ihre glatten schwarzen oder vielfarbig gesprenkelten Samen herausschleudern. Die Pflanze gehört botanisch zu der Familie der Wolfsmilchgewächse, wenn sie auch keinen Milchsaft hat. Die Botaniker kennen nur eine einzige Art der Gattung Ricinus , allerdings mit sehr zahlreichen Varietäten, solchen mit grünen und roten, kleinen und großen Blättern, kleinen und großen Samen, von denen die großen weiß, gesprenkelt, schwarz, rot und rotgesprenkelt sein können. Viele von diesen Varietäten sind zu Hause bei den Gärtnern beliebte Ziersträucher, darunter auch der » Ricinus sanziba ricus «. Die hier verwildert vorkommenden Pflanzen haben verhältnismäßig kleine Blätter und kleine Samen von bräunlich-violetter Farbe.

Über die Heimat des Ricinus gehen die Meinungen der Botaniker aus­einander, indem einige Südasien, die Mehrzahl aber Afrika dafür ansprechen.

Schon in der Urzeit der Kultur ist unsere Pflanze bekannt gewesen. Die Samen sind in alten ägyptischen Gräbern aufgefunden. Der Ricinus wurde im alten Ägypten kiki genannt. Nach dem Zeugnis von Herodot benutzten sie das Öl zum Brennen und zur Herstellung von Salben, vielleicht soll der Name mit dem hebräischen Wort kikar für »rundlich« Zusammenhängen. Das alte Testament scheint die Pflanze als kikajon zu kennen, und man meint, daß der »Kürbis«, den der Prophet Jonas vor seinem Zelt in Ninive pflanzte, der in einer Nacht zum Baume ward und dann von einem Insekt angestochen rasch verdorrte, Ricinus gewesen sein soll. Der Name kiki ist auch in das Neu­griechische übergegangen, und auch das Mittelalter (Albertus Magnus) sagt neben Ricinus auch kik im Deutschen. Es kommt mir vor, als ob das Wort kik einer alten semitischen Sprache angehöre. Allerdings sollen die Araber die Pflanze heute khinva, kerrua, charua nennen*), aberDapper spricht in seinem alten Werk über Asien außer von santjonc, alkaroa , kerwa auch von kikajon. Theophrast nennt die Pflanze aulh croton, Dioscorides erwähnt als erster

: ) Die heutigen Ägypter sagen chartoa, chirwa, die Tunesier ch/rouar.