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8. Olea europaea L.
Der Ölbaum wird in Ostafrika, außer in einigen nach Kwai und Amani neuerdings eingeführten Exemplaren, die schlecht gedeihen, nicht kultiviert. Die wilde 0. chrysophylla (wogre, milch in Abessinien) aber kommt in den afrikanischen Hochgebirgen überall wild vor, und es ist recht gut möglich, daß diese Art eine sehr gute Unterlage zum Propfen des echten Ölbaumes abgeben würde. Bei uns hier im Waldgebirge bei Amani scheint es für den Kultur- Ölbaum zu kalt und zu feucht zu sein.
Der wilde Ölbaum (Oleaster) ist in vorhistorischer Zeit im Mittelmeergebiet heimisch gewesen, sogar fossil im Pliocän gefunden. Überall in den Macchien von Nordafrika, Italien, Griechenland ist er in unzweifelhaft wildern Zustand; er kommt ebenfalls im Pandschab, Beludschistan, Persien, Mesopotamien, südlichen Arabien, Syrien und Transkaukasien vor. Aber die Kultur desselben ist nicht im Mittelmeergebiet, sondern im Orient in Angriff genommen, von wo die Kultursorte sich allerdings schon in vorhomerischer Zeit nach Westen ausbreitete, und zwar via Ägypten, Syrien, Kleinasien. Wo er zuerst kultiviert wurde, weiß man nicht, jedenfalls nicht in Südarabien, wo er in Yemen jetzt nach Schweinfurth’s Beobachtungen nur in neueren türkischen Gärten vorkommt. In Ägypten fand man Totenkränze aus den Zweigen des Ölbaumes schon in Gräbern der XXII. bis XXV. Dynastie. Im Babylonischen und Assyrischen soll es kein Wort für ihn geben, sonst aber hängen die orientalischen Bezeichnungen für ihn immer mit dem Stamm » zeitm zusammen, das im Arabischen, Aramäischen und auch im Persischen, Kurdischen, Tartarischen nachzuweisen ist. Es ist, da der Ölzweig doch in der Sintflutsage eine Rolle spielt und noch jetzt im katholischen Kultus benützt wird (Palmsonntag!), er auch der Preis der griechischen Sieger war, nicht unwahrscheinlich, daß seine Kultur in die Vorzeit der Menschheit hineinragt und von der Gegend um Armenien ausging.
Zeitun, zitnna ist auf arabisch der Ölbaum, zeit das Öl, und als azeite ist dies Wort auch in das Portugiesische gedrungen. Das Olivenöl ist bei den ostafrikanischen Arabern und arabisierten Swahili gut bekannt, man schätzt es sehr als mafuta al zeit (mafuta al zet)*). In Abessinien nennt man ihn anölö, seine Frucht zeiti, bei den Saho den Baum behotta, bei den Tuareg azemmur, tahatimt.
*) Das Wort zeitun, mit dem man das alte »Seladon «-Porzellan in Zanzibar bezeichnet, das dort als große Seltenheit manchmal vorkommt und das schon Marco Polo mit demselben Namen nannte, hat mit dem Wort flir den Ölbaum nur die äußerliche Gleichheit gemein, nichts aber mit dem Ölbaum selbst. Es stammt von der Bezeichnung zeitun für den alten arabischen Handelsort, das heutige Ch’üan-chou-fu bei Amoy in Südchina, und ist wahrscheinlich eine Verdrehung aus dem Chinesischen (Tsen-tung, Tz’u-t’ung?). Dort saßen die Araber schon um 107Ä, während sie schon mindestens seit 300 n. Chr. Handel in China trieben. Dorther holten die Araber auch Atlas-Seidenstoff, den sie zcitim nannten, aus welchem Wort man dann Satin machte. Die Chinesen nannten diesen Stoff ssu-tuan, im Kanton-Dialekt sze-tün. Sollte die arabische Benennung des Ortes vom chinesischen Namen für den Atlas stammen?