Part 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
Place and Date of Creation
Page
378
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

378

pflanzt, von denen jetzt noch ca. ioo stehen, aber nicht ausgenützt werden. Früchte bringen sie jedes Jahr hervor, ln der Folge haben noch die Friedrich Hoffmann-Pflanzung, die katholische Mission in Msingano, die evangelische Mission in Iringa, besonders aber die Pflanzung Segoma der Sigi-Gesellschaft Anpflanzungen dieses Baumes angelegt. Die letztere ist mit dem Resultat anscheinend zufrieden, und der kleine Export, den Deutsch-Ostafrika von Kakao hat, ist wohl ausschließ­lich dieser Anlage zu verdanken.

In Amani haben wir ebenfalls einige Pflanzen, die im Sigital leidlich ge­deihen, wenn auch ihre Blätter stark von einem Käfer (?) zerfressen werden. Die rotfriichtige Sorte hat 1906 zum erstenmal getragen, die gelbfrüchtige noch nicht. Die Pflanzen leiden stellenweis auch etwas unter dem Stich einer Helopeltis- artigen Wanze.

Nach Bukoba gesandte junge Pflanzen sind dort nicht weiter gediehen, es ist nicht bekannt, ob es dort zu kalt war oder ob die richtige Behandlung fehlte.

An Kakao wurden ausgeführt:

1905 157 Kilo im Werte von 374 Mk.

1906 3958 ,, 6050

Es ist nicht zu erwarten, daß diese Kultur sich bei uns sehr ausdehnen wird. Hamburg führt hier etwa 50 Millionen Mark dieses Produktes ein, wovon die Kolonie Kamerum etwas mehr als 1 Million Mark liefert. Ein Teil wird wieder ausgeführt. In - Deutschland wurden 190306 für 2541 Millionen Mark ein­geführt. Die Gesamternte der Welt schwankte 190206 zwischen 122411 und 149020 Tonnen.

Der Verbrauch in Deutschland stieg von 0,01 Kilo (1836/40) auf 0,55 Kilo pro Kopf der Bevölkerung.

9. Thea sinensis L.

Der Tee hat für unser Gebiet noch gar keine national-ökonomische Be­deutung, ich brauche ihn deshalb nur ganz kurz zu erwähnen. Die Botaniker sind sich jetzt darüber einig, daß man nur eine botanische Art dieser Kultur­pflanze, die mit der Camellie nahe verwandt ist, anerkennt und daß von dieser zwei Varietäten zu unterscheiden sind: Var. varidis V., ein großer Strauch mit

ausgebreiteten Zweigen, blaßgrünen Blättern, die lanzettlich 12 zu 4 cm groß sind und deren Blüten einzeln stehen, und Var. Bohea L. ( assamica) mit aufrecht strebenden Zweigen, dunkelgrünen Blättern von 6 zu 3 cm, seine Blüten stehen zu 23. Zwischen beiden Sorten gibt es aber offenbar viele Bastardierungen. Der Teestrauch ist wild auf der chinesischen Insel Hainan und in Ober-Assam in Bengalen gefunden (Szyszylowicz in Engler und Prantls Nat. Pflanzen­familien).

Wenn auch nach der bei De Candolle gegebenen Notiz von Bret- schneider die Pflanze schon viele Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung in