Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
Entstehung
Seite
374
Einzelbild herunterladen
 

374

und einen Leiter, der lange Jahre in Sumatra Tabak gebaut hatte. Es wurde^ ein Produkt erzielt, das hellfarben, mit großen und sehr dünnen Blättern war. Aber der Brand stellte sich als ungenügend heraus, ein Teil der Blätter kohlte, so daß nicht solche Preise erzielt wurden, die den aufgewandten Kosten ent­sprachen. In der Erwartung, daß der Mißerfolg der Nähe des Meeres und dem dadurch bedingten Salzgehalt des Bodens zuzuschreiben war, wurden weiter fluß­aufwärts bei Usimbe 1899 noch einmal 94000 Pflanzen ausgesetzt, aber wieder mit negativem Erfolg, so daß das Gouvernement ebenfalls die Versuche aufgab und in den für die Pflanzung errichteten Gebäuden die Forstverwaltung bezw. das Bezirksamt des Rufiyi-Gebiets unterbrachte.

Soweit mir bekannt, hat später ein Ansiedler in den Bergen nördlich des Niassa-Sees einen gut brennenden Tabak erzielt, und es sind von Privaten auch hier und da kleine befriedigende Versuche gemacht worden. Man sollte meinen, daß ganz besonders in den vulkanischen Gegenden nördlich des Niassa und des Kivo, am Kilimandjaro und vielleicht auch noch in den Binnenhochländern der Anbau von Tabak für den ostafrikanischen Eigenbedarf, vielleicht auch zum Export nach Südafrika möglich sein sollte. Einem Ansiedler, der Absatzmög­lichkeit für sein Produkt hat und der guten, wenn möglich vulkanischen Boden und Dünger zur Verfügung hat, dessen Gebiet außerdem sichere Regenverhält­nisse hat, so daß er zur bestimmten Zeit darauf rechnen kann, seine Pflänzchen aus den Saatbeeten ins Land bringen zu können, der wird sich aus dem Anbau von Tabak trotz der vielen früheren Mißerfolge wahrscheinlich eine Einnahme schaffen können, wenn er nicht den Ehrgeiz hat, ein Produkt für den Weltmarkt zu schaffen, sondern wenn er nur auf den engeren afrikanischen Konsum rechnet. Plr wird außerdem nicht gleich bei einem Mißerfolg den Mut verlieren müssen, denn in vielen Gegenden (z. B. Teile von Sumatra) stellte es sich heraus, daß auf bestimmten Böden der Tabak erst nach ihrer mehrjährigen Bearbeitung wuchs, nachdem dieser in einer uns unbekannten Weise aufgeschlossen war. Der kleine Tabaksbauer wird entweder in genossenschaftlicher Weise sein Produkt fermen­tieren, oder er wird dies mit Zurhilfenahme von Heu und Brettern oder auch mit den in Amerika gebräuchlichen Kasten-Fermentations-Apparaten versuchen.

Nach Hamburg allein werden jährlich für 3946 Millionen Mark Roh­tabake eingeführt, zu denen noch für 1014 Millionen Mark Tabaksfabrikate kommen. Bremen hat einen sehr großen Tabaksmarkt. Die Einfuhr in Deutsch­land an Rohtabak war 19031906 für 60 bis 122 Millionen Mark, etwa 1,6 Kilo pro Kopf der Bevölkerung.

7 . Piper Bette L*)

Diese kletternde Pfeffer-Art gibt die Blätter, welche als Betel-Blätter in ganz

*) Wer sich ausführlicher hierüber orientieren will, vergleiche L e w i n über Areca Catechu, Chavica Betle und das Betelkauen, Stuttgart 1889, und besonders das Bull. v. het. Kolonial Museum to Haarlem No. 32 1905 (vor allem darin die große Arbeit von C. Hart wich.) Außerdem finden sich viele Bemerkungen in Comes Histoire du Tabac.