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Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
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9. Cuminum Cyminum L.

Römischer, Mutter-, Pfeffer-, ägyptischer, Kreuz-, Wanzen-Kümmel

und wie diese Pflanze sonst noch genannt wird. Die borstigen, auf jeder Hälfte mit neun Rippen besetzte Frucht hat einen eigenartigen Geruch nach Wanzen, der durch das Cuminal enthaltende ätherische 01 des Samens bedingt wird. Die Pflanze ist wild nur von Turkestan, von den Ufern des Kisilkum gesammelt, ist aber vielleicht auch im östlichen Mediterrangebiet heimisch. Es ist ein einjähri­ges unbehaartes Kraut mit dreiteiligen, fast fadenförmigen Blättern.

Heute sind Syrien, Marocco, Malta und Ostindien die Hauptexportländer. Nach Schweinfurths Meinung ist die Pflanze von Syrien aus nach Ägypten ein­geführt. Watt meint, daß sie nach Indien, wo man sie jetzt anbaut, von Ägypten oder Persien aus eingeführt sei; hier und da soll sie in Indien verwildert sein.

Es scheint eine Pflanze zu sein, die schon in sehr alter Zeit im Orient an­gebaut war, die hebräische Benennung kammon ist in das Griechische überge­gangen als kuminon, ins Lateinische als cuminum, ins Portugiesische als cuminhos. Bei den Arabern heißt dieser Kümmel kamun, kcmun, kemmün, in Algier kämounc, kemmoun, kcrouia. Es scheint hier eine alte semitische Bezeichnung vorzuliegen, und die Art scheint ihre Wanderung von einem Heimatland angetreten zu haben, wo sie die Semiten unter diesem, der Arier unter Bezeichnungen kannten, die mit zira verwandt sind, also möglicherweise in den Gegenden südlich vom Kaspi-See, oder von Armenien aus. In Persien sagt man zira, ira-safed, im Sanscrit jiraka, jira, jiru, in Indien zira, jira, bei den Tamilen siragum, den Telegu jilakarra, den Bur­mesen zec-ya, dzc-ya, den Canaresen jiraga. Unsere hiesigen Banyanen aus Gudjerat nennen ihn njira. Für die Singhalesen finde ich die ganz abweichende Benennung duru, der Name der Malayen jintan ist dagegen vielleicht auch auf das arische Wort zurükzuführen, ebenso das von Turkestan schirin-safcd, zira.

Dies Gewürz wird in recht beträchtlichen Mengen von Bombay aus nach Ostafrika gebracht, wie auch Watt erwähnt. Man findet es in den kleinsten Indierläden. Die Leute reiben die Saat zusammen mit kurkuma und anderen Gewürzen zur Herstellung des Currypulvers*). Hier wird sie allgemein bizari ge­nannt (und nicht der Dill, wie Warburg in Englers Pflanzenwelt schreibt). Dies Wort läßt sich aus keinen der Benennungen für unsere Pflanze ableiten; in Krapfs Dictionary of the Swahili Language fand ich aber, daß bizar im Arabischen allgemein für »Gewürz« gebraucht wird, er schreibt »condimentum ollae, aromata«, offenbar nach dem von ihm benützten Lexicon arabico-latinum von Frey tag. Aus dem großen Werke von Watt habe ich den Eindruck, daß dieser Kümmel gar nicht so sehr viel in Indien verwandt und auch nicht seit sehr alter Zeit dort kultiviert wird, ich nehme deshalb an, daß er durch Perser in

*) Curry, jene bekannte Gewürzsauce zum Reis, stammt nach Y u 1 e u n d B u r n e 11 (S. 281) aus der Tamil-Sprache, kari -Sauce vom Verbum kari »to eat by biting«. Die Canaresen- Forrn ka.7-il ist von den Portugiesen verbreitet worden und wird noch in Goa gebraucht. Reis mit Curry wird angeblich schon durch Athenaeus nach Megasthenes aus Indien zitiert.