Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
Entstehung
Seite
268
Einzelbild herunterladen
 

268

In ihnen liegen #1 einem säuerlich-aromatischen Mark viele kleine Samen von scharfem Geschmack eingebettet. Jedermann, der in den Bergwaldgebieten von Ostafrika gereist ist, wird diese Früchte gesehen haben, die von den Ein­geborenen auch bisweilen als Erfrischungsmittel verkauft werden. In Uganda sind sie z. B. stets massenhaft unter dem Namen matünguru auf dem Markt, welchen Namen sie auch anderwärts führen. Soweit mir bekannt, kennt man die botanische Art dieser Aframomum von Uganda und Bukoba noch nicht. Die Früchte von A. angustifoliuni (Sonn.) K. Sch. von Zanzibar und Mada- gascar (dort longaai genannt) sehen sehr ähnlich aus, auch sind die Uganda- Früchte kaum zu unterscheiden von denen der hier in Usambara vorkommenden A. Mala K. Schum., aus deren Kernen Dr. Schellmann ein ätherisches Öl destilliert hat. Von einer ganz verwandten Sorte kommen jedenfalls die als koraima der Galla aus Massaua ausgeführten Früchte, heil der Araber (also wie die echten Kardamomen hcl genannt), die nach Arabien und Indien gebracht werden. In Abessinien heißt die Pflanze auf Amhari karorbma, kororima. Be­sonders diese Kardamomen sollen die Araber dem Kaffee zusetzen. Wieder andere Kerne kommen von Aframomum Mcleguctta (Rose.) K. Schum. aus Westafrika, Sierra Leone bis Angola, sie liefern den Melegeta-Pfeffer oder die Paradieskörner des Handels, (Ewe atoku), die in der Liqueurfabrikation noch Ver­wendung finden. Für die sehr ähnlichen Körner von A. mala und andern ostafrika­nischen Arten aus dem Niassaland, vom Victoriasee usw., hatten die Kaufleute nicht viel Interesse. Erwähnenswert ist die von Schumann erwähnte Tatsache, daß bei ganz nahe verwandten Arten der Gattung Aframomum die Körner, welche kantig und netzig skulpturiert sind, scharf und gewürzig sind, die Arten mit glatten elipsoiden und zusammengedrückten Samen aber keine scharfen Bestand­teile haben.

Aus Langenburg stammende Samen von A fr am o m u m hatten 2 % ätherisches Öl, das für Parfümeriezwecke verwendbar ist; von Segoma stammende Samen hatten geringe Mengen eines Öles von vorzüglichem milden Aroma; von Bukoba stammende Samen hatten 8°/ 0 Gerbstoff, Harz und Farbstoff und 3% ätherisches Öl, das im Handel befindliche Produkt hat aber 5 °/o Öl; die Bukoba-Saat dürfte 1,10 Mk. pro Kilo Wert haben. (Kol. wirt. Komitee.)

2. Anethum graveolens L.

Der Dill ist nach Drude-En gl er (Nat. Pflanzen-Familien) in Indien und Persien, vielleicht auch in Ägypten wild, und durch die Kultur schon sehr früh verbreitet. Die indische A. Soiva Roxh., die uns hier interessiert, wird von vielen Botanikern für dieselbe Art gehalten, doch sind die ätherischen Öle beider

*) Vielleicht handelt es sich um A.. sanguineuvi Ä. Schum. (Englers Pflanzen­welt. C. S. 149).