Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
Entstehung
Seite
246
Einzelbild herunterladen
 

246

sie selten im Steppenland, ich kann mich sogar sicher nur erinnern, sie in allen Gebirgen und massenhaft im Zwischenseengebiet (Bukoba) und im Kongo-Urwald gefunden zu haben. Ich habe die Hclviia viel häufiger zu Gesicht bekommen, als die anderen Yams, deren Kultur meistens durch Maniok und Bataten mehr und mehr verdrängt zu werden scheint.

Diese Luftknollen 6070 an einer Pflanze haben meistens die Größe eines Hühnereies, selten bis Faustgroße und sind schwach dreikantig. Sie werden mit der Schale gekocht uud schmecken wie eine filzige Kartoffel, die Frost be­kommen hatte.

9. Ipomoea Batatas Lam.

(Siehe Verbreitungskarte).

Die Batate oder Süßkartoffel gehört zu der Familie der Winden. Es ist ein Kraut mit windendem oder rankendem Stiel und abwechselnd stehenden Blättern, die von recht verschiedener Gestalt sein können. Bald sind sie herz­förmig, bald wie die Blätter der Platane geformt, bald mit fünf, tief einge­schnittenen handförmigen Lappen. Zwischen diesen Formen finden sich alle Übergänge, aber man findet dieselbe Form meist auf einem Beet, manchmal so­gar in einem Lande konstant. Es erfordert noch lange Studien, die von Dr. Braun begonnen sind, um festzustellen, ob diese Blattformen erblich sind oder ob es sich, wie vielfach die Neger behaupten, um Variationen handelt, die durch ver­schiedenen Boden hervorgerufen sind.*) Die großen, blaßpurpurroten Trichter­blumen sitzen zu 34 gemeinsam am Ende eines langen Stieles.

Wenn auch früher vielfach angenommen wurde, daß ihre Heimat die alte Welt sei, wie z. B. derProdromus von De Candolle noch Indien als Heimat nennt, so sind sich heute doch wohl alle Botaniker darüber einig, daß diese Pflanze aus Amerika stammt. 1514**) soll sie in Darien und Honduras wild von P. Martyr beobachtet worden sein, aber das wahrscheinliche ist, daß ihre wilde Form wie bei so manchen Kulturpflanzen ausgestorben ist. Pigafetta fand sie 1519 bei den Indianern, Oviedo 1525 in Hispaniola (batatas, ajes, cumar, hetick [Tupi]) als Nahrungsmittel. Clusius schreibt 1576 und 1601, daß er sie in Spanien gegessen habe, wo man sie unter den Namen Batatas , Camotes, Amotcs,. Cumar , Ajes, Hetich (Tupi), Yetc (Guarani) von Amerika eingeführt habe.f) Die

*) Dies letztere ist recht unwahrscheinlich, denn hier in Amani auf demselben Boden kultivierte Sorten behalten ihre Blattform ebenso wie die Neigung einiger Sorten violette Blatt­stiele und Rippen zu bilden.

**) Gray und Trumbull in Americ. Journ. of Sc. 1883.

t) O. F. Cook (Contr. U. S. Nat. Herbarium 1901) ist der Meinung, daß die Cocos-Palme, Jam-Bohne (Pachyrhizus), Lagenaria, Cticwbita, Mucuna, mehrere Dioscorca-A rtcn sowie Bataten, welch letztere sicher amerikanischen Ursprungs sind, schon in vorhistorischer Zeit, also vor Ankunft der Europäer, von Amerika nach den polynesischen und malayischen Inseln gebracht wurden und zwar durch Menschen; daß ebenso die Banane in vorhistorischer Zeit durch Menschen nach Amerika transportiert worden ist.